Sanierung : EADS verkauft Augsburger Airbus-Werk

Der EADS-Sanierungsplan fordert den Verkauf eines weiteren Airbus-Werkes in Deutschland. Nachdem bereits die Veräußerung drei deutscher Werke beschlossen wurde, steht nun auch das Werk in Augsburg für eine Übernahme bereit.

Werk Augsburg
Das Augsburger Airbus-Werk soll verkauft werden. -Foto: ddp

Paris/AugsburgDer europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS will sein Werk in Augsburg verkaufen. Der Standort werde in die Liste der zum Verkauf stehenden Werke mit aufgenommen, sagte EADS-Chef Louis Gallois bei der Eröffnung eines Werks in Elancourt bei Paris. Das Augsburger Management habe selbst vorgeschlagen, den Betrieb zum Verkauf auszuschreiben. Augsburg solle mit den Airbus-Werken Varel und Nordenham im Paket angeboten werden, sagte Gallois der "Süddeutschen Zeitung". Endgültig entschieden sei aber noch nichts, sagte ein EADS-Sprecher.

In Augsburg sind rund 2000 Beschäftigte sowie rund 700 Leiharbeiter in der Fertigung von Bauteilen für Airbus-Flugzeuge sowie für den Eurofighter tätig. Der Konzern hatte bereits vor Wochen verkündet, dass der Standort auf die Verkaufsliste kommen könnte, bisher aber noch keine offizielle Entscheidung verkündet.

Erst vor wenigen Tagen gab das Unternehmen bekannt, dass für die zum Verkauf stehenden deutschen, britischen und französischen Werke noch fünf Bieter im Rennen sind. Demnach gibt es noch Verhandlungen mit dem US-Unternehmen Spirit, dem Voith-Konzern (Heidenheim) sowie GKN, Latecoere und MT Aerospace. Einen Favoriten gebe es bisher nicht. Für die drei deutschen Standorte seien Spirit, Voith und MT-Aerospace im Rennen, sagte Gallois der "Süddeutschen Zeitung". Einem EADS-Sprecher zufolge können die Bewerberfirmen mittlerweile die Daten der Werke einsehen.

Weitere Talfahrt des Dollars befürchtet

Die Verkaufspläne gehören zum umfassenden Sparprogramm "Power 8", mit dem EADS seine Flugzeugtochter Airbus wieder flottmachen will, die vor allem angesichts der Probleme mit dem Großraumflieger A380 in die Krise geflogen war. Schwierigkeiten bereitet dem Konzern auch die Dollar-Schwäche. Bei einer weiteren Talfahrt des Dollars müsste EADS möglicherweise reagieren, kündigte Gallois an, ohne aber Details zu nennen. "Wir müssen auf jeden Fall sehr wachsam sein und bereit sein, Entscheidungen zu treffen."

Gallois kündigte bei der Veranstaltung in Elancourt auch an, die Konzernbereiche Verteidigung und Sicherheit auszubauen. Dies solle auch mit Hilfe von Zukäufen und Partnerschaften geschehen. Er verwies dabei auf den Konkurrenten Boeing, bei dem die Zivilluftfahrt nur rund die Hälfte des Konzerngeschäftes ausmache.

Gallois schweigt zu Gerüchten um Mittal-Einstieg

EADS hat unter anderem Interesse am französischen Konzern Safran, der in den Bereichen Triebwerke (Snecma), Kommunikation, Sicherheitstechnik und Elektronik aktiv ist, und an einem größeren Engagement in den USA. "Es ist klar, dass es mit Safran starke Synergien gibt", sagte Gallois. Sollte Safran offen für einen Verkauf sein, dann sei EADS "offen für einen Kauf". Zu Spekulationen um einen möglichen Einzug des britisch-indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal in den EADS-Verwaltungsrat wollte sich Gallois nicht äußern.

Einschließlich Augsburg will sich der Konzern europaweit von insgesamt sechs der 16 Airbus-Werke sowie einem EADS-Standort trennen. Ein Sprecher der IG Metall in Bayern sagte, die Entscheidung sei "keine Überraschung". Es bleibe aber dabei, dass die Gewerkschaft an dem Prozess beteiligt sein wolle. "Wir warten jetzt ab, was die potenziellen Käufer vorhaben", sagte der Sprecher.

In Branchenkreisen hatte es zuvor geheißen, ein kritischer Punkt beim Verkauf des Augsburger Werkes sei die dort angesiedelte Fertigung von Eurofighter-Bauteilen. So gebe es etwa eine Informationssperre zwischen Deutschland und Frankreich bei Eurofighter-Details, weil Frankreich nicht zu den am Eurofighter beteiligten Nationen gehört. (dpa)