Der Tagesspiegel : Sanierungskosten auf 25 Millionen Mark geschätzt

THORSTEN METZNER

POTSDAM .Die Rettung des verfallenen "Kaiserbahnhofs" von Potsdam, der demnächst ins Weltkulturerbe der Schloßparks von Sanssouci aufgenommen werden soll, ist weiterhin ungewiß.Zwar bestätigte Philipp von Bechtolsheim, zuständiger Projektleiter der Deutschen Bahn Immobilien GmbH in Frankfurt am Main jetzt auf Anfrage, daß derzeit Gespräche mit mehreren neuen potentiellen Investoren geführt werden.Aber die Erfolgsaussichten seien bislang "noch vage", so daß vor "voreiligen Erwartungen" auf einen zügigen Vertragsabschluß zu warnen sei.

Den "Kaiserbahnhof", unmittelbar in der Nähe des Schloßparkes Sanssocui gelegen, hatte sich der als Reisekaiser in die Geschichte eingegangene deutsche Monarch Wilhelm II gegen Ende des vorigen Jahrhunderts errichten lassen.Seit 1952 stillgelegt, verfiel das Denkmal zusehens, so daß die Sanierungskosten inzwischen auf 25 bis 28 Millionen Mark geschätzt werden.Nach dem Mauerfall waren alle Projekte zur Rettung - vom "Hotel- und Museumsbahnhof" (Berliner Architekt Wolf-Rüdiger Borchardt), einem "Bahnhof in der Gartenstadt" (Investoren aus Kanada), einer Universitätsbibliothek (der damalige Kulturminister Hinrich Enderlein), einem "Kaiserzeit- und Gourmetbahnhof" (Kölner Bauconsult) bis hin zu einer Ausbildungstätte (Deutsche Bahn AG) - letzlich aus Sorge vor einem "Millionengrab" geplatzt.Was eine wirtschaftliche Nutzung laut von Bechtolsheim "noch schwieriger" macht: Die Deutsche Bahn Immobilien GmbH hat sich zum einen das ehrgeizige Ziel gestellt, einen Investor für ein "gastronomisch-kulturelles" Konzept zu finden.Zum anderen soll das Projekt den Kaiserbahnhof allein umfassen, also ohne früher einmal geplante Anbauten oder Neubauten auf einem dem Land Brandenburg gehörenden Nachbargrundstück.Man wolle wegen des sensiblen Areals keine Konflikte mit der Unesco wie am Potsdam-Center provozieren, hieß es als Begründung.

Dennoch drängen Landesregierung, Rathaus und Denkmalpfleger auf zügige Verhandlungen, da die Substanz des einzigartigen Baudenkmals bereits gefährdet sei."Wir verfolgen dies mit gewisser Sorge", bestätigt Ministerialrat Dietmar Staschen aus der brandenburgischen Staatskanzlei.Im Rathaus rechnet man damit, daß auch der öffentliche Druck auf die Deutsche Bahn weiter wachsen wird, nicht nur wegen der Aufnahme des Kaiserbahnhofs in das Potsdamer Unesco-Welterbegebiet.

Mit dem Fahrplanwechsel wird der kaum 50 Meter entfernte frühere Bahnhof Wildpark, jetzt Bahnhof Park Sanssouci, nämlich regelmäßiger Haltepunkt für den stündlichen Regionalexpreß der Strecke Berlin-Brandenburg sowie der Regionalbahn von Spandau zum Griebnitzsee.Damit werden tausende Sanssouci-Besucher aus Berlin unmittelbar an der Kaiserbahnshofsruine in Richtung Neues Palais vorbeipilgern.

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