Der Tagesspiegel : Sanssouci: Schöne Aussichten

Nach mehrjährigen Restaurierungsarbeiten ist der Normannische Turm auf dem Potsdamer Ruinenberg ab morgen wieder zugänglich. Von dem mittelalterlich anmutenden Bauwerk hat man einen wunderbaren Blick auf die Landeshauptstadt, Schloss und Park Sanssouci und das Buga-Gelände. Mit dem zinnenbewehrten Turm wird der Ruinenberg mit seiner an die Vergänglichkeit von Leben und Kunst mahnenden Kulissenarchitektur als wichtiger Bestandteil der Parklandschaft von Sanssouci wieder erlebbar.

Der 23 Meter hohe Normannische Turm gehört zu einem Bauensemble, das Friedrich der Große 1748 als architektonische Verkleidung eines riesigen Wasserbeckens auf dem so genannten Hühnerberg, vis à vis von seinem Sommerschloss Sanssouci, anlegen ließ. Hier wurde mit großem technischen Aufwand versucht, Wasser für die Springbrunnen im Park zu sammeln. Nur einmal, im April 1754, reichte die Menge aus, eine dünne Fontäne in die Höhe steigen zu lassen. Die um das Becken gruppierten künstlichen Ruinen wurde von G. W. von Knobelsdorff entworfen - eine Wand nach Art des Colosseums, ein Rundtempel mit 16 Säulen und die Miniaturkopie einer ägyptischen Pyramide. "Die halbrunde von Fensteröffnungen durchbrochene Rückmauer und die Säulenstellung mit einer schief angelehnten Säule schneiden sich sehr schön gegen den blauen Himmel ab", heißt es in dem Fremdenführer von 1850.

König Friedrich Wilhelm IV. beauftragte seinen Gartendirektor Peter Joseph Lenné mit der Neugestaltung des Ruinenberges und der Bornstedter Flur. 1845 ließ der Monarch den "römischen" Ruinen einen mittelalterlich anmutenden Bau, den Normannischen Turm, als Ausguck anfügen. Der mehrgeschossige Turm aus Rüdersdorfer Kalkstein erfüllt jetzt wieder diesen Zweck und ist besonders gut vom Ehrenhof des Schlosses Sanssouci zu sehen.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs nach einem Granateneinschlag ausgebrannt, war der Turm dem Verfall ausgesetzt und unbenutzbar. Durch die jetzt abgeschlossene, rund 3,6 Millionen Mark teure Rekonstruktion wurden die fehlenden Wände, Decken und Böden, die nur noch in Resten vorhandene Innentreppe und die Aussichtsplattform zurückgewonnen. Finanziert wurden die Arbeiten aus einem "Mix" von Fördergeldern aus Landes-, Stiftungs- und städtischen Kassen. Unerwartete Hilfe kam von einem ungenannten Spender aus Berlin: Er gab 300 000 Mark.

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