Der Tagesspiegel : Sattelschlepper rast in Stau – zwei Tote

Der Fahrer hatte offenbar nicht oder viel zu spät gebremst. Autobahn A12 bis Dienstagnachmittag gesperrt

Sandra Dassler

Fürstenwalde. Ob es wieder einmal Sekundenschlaf war, wird niemals zu klären sein: Der Fahrer des 40-Tonnen-Sattelschleppers, der am späten Montagabend ungebremst in das Ende eines Staus auf der Autobahn A12 Berlin – Frankfurt (Oder) gerast war, verbrannte in seinem Fahrzeug. Das gleiche Schicksal erlitt der Fahrer eines Kleintransporters, der am Ende des Staus stand. Beide Tote konnten bisher nicht identifiziert werden. Der Kleintransporter war durch die Wucht des Aufpralls gegen drei weitere Lastwagen, die aus Polen und Weißrussland stammen, gedrückt und völlig zerfetzt worden. Drei weitere, aus Polen stammende Insassen des Transporters erlitten dabei zum Teil schwere Verletzungen. Die Autobahn blieb bis Dienstagnachmittag in beiden Richtungen voll gesperrt.

Polizeisprecher Marco Genschmar sagte dem Tagesspiegel: „Die Polizei hatte den Verkehr wegen Brückenbauarbeiten zeitweilig angehalten.“ Das Stau-Ende sei von der Polizei ordnungsgemäß mit Blaulicht gesichert gewesen. Außerdem war die Baustelle zwischen den Anschlussstellen Fürstenwalde-Ost und Briesen hell beleuchtet. „Trotzdem ist der Sattelschlepper offensichtlich mit hoher Geschwindigkeit in das Stauende gerast.“

Viele Autofahrer mussten gestern lange Umwege und Wartezeiten in Kauf nehmen. Weil die Untersuchungen der Unfallursache bis zum Mittag anhielten, wurde die Autobahn in Richtung Berlin erst um 13.45 Uhr und in Richtung Frankfurt (Oder) erst um 14 Uhr wieder freigegeben. Auch danach war sie zunächst nur einspurig befahrbar. Die Ermittlungen zum Hergang des Unglücks halten noch an. Unklar ist, warum der Fahrer des Sattelschleppers nicht oder zu spät bremste. Erst gestern hatte der Tagesspiegel über einen ähnlichen Fall im Juli 2002 berichtet. Damals war ein Busfahrer auf der A24 bei Kremmen ungebremst auf ein Stauende aufgefahren. Fünf Kinder und eine 22-jährige Frau starben. Der Prozess gegen den Busfahrer beginnt am Mittwoch in Oranienburg.

Auf der A12 kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen. Nach Angaben der Polizei waren es im vergangenen Jahr 400 Unfälle, bei denen 24 Personen verletzt wurden, eine davon tödlich. In diesem Jahr müsse man mit einer Steigerung der Unfälle rechnen. Bereits bis zum 30. September 2003 krachte es 355-mal. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, 50 wurden verletzt. Dass viele Unfälle im Zusammenhang mit den langen Lkw-Rückstaus vor der Grenze stehen, konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen. Solche Unfälle würden nicht eigens erfasst.

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