Saudi-Arabien : Der lasterhafte Prinz

Prinz Alwalid, reichster Mann der arabischen Welt, geht an die Börse. In Saudi-Arabien ist seine Firma Kingdom Holding sehr umstritten. Religiös unsaubere Beteiligungen brachten die Kleriker gegen das Unternehmen auf.

Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf - Die Attacke kam plötzlich, aber nicht ganz unerwartet. „Ich bitte Gott, dass er diese Firma vor seinem Zorn und seiner fürchterlichen Rache schützt“, ließ der saudische Geistliche Mohammed al-Ossaimi vor ein paar Tagen vielsagend verlauten. Gemeint war die Firma von Multimilliardär Prinz Alwalid bin Talal. Der bringt einen Teil seiner Kingdom Holding derzeit an die saudische Börse. Alwalid investiere in Unternehmen, die Alkohol verkaufen und nackte Haut vermarkten, empörte sich der Kleriker. Seine Anlage-Empfehlung fiel eindeutig aus: „Ich sehe nicht, dass es erlaubt ist, die Aktie zu zeichnen.“ Den Weg aufs Parkett macht diese Kritik sicher nicht leichter.

Alwalid ist der reichste Mann der arabischen Welt. Das US-Magazin Forbes führt ihn in seiner Milliardärs-Rangliste mit einem Vermögen von etwa 20 Milliarden Dollar (knapp 15 Milliarden Euro) auf Platz 13. Den Reichtum verdankt der Enkel des Staatsgründers Abd al-Aziz ibn Saud unter anderem dem gut getimten Einstieg bei der Citigroup (Citibank), wo er noch vier Prozent hält und seinem auch sonst guten Näschen für lukrative Investments in der westlichen Welt. Deshalb haben ihn konservative Kreise schon länger im Visier. Nun also noch der Börsengang, bei dem der Prinz fünf Prozent seiner auf 17,2 Milliarden Dollar Börsenwert taxierten Holding abgibt und die Saudis so in Versuchung bringt, sich an seinen umstrittenen Geschäften zu beteiligen. In den Minibars seiner Hotels wie dem Four Seasons liegen Bier- und Weinflaschen, die TV-Sender des Mediengiganten NewsCorp, an dem Walid knapp vier Prozent hält, geben sich nicht immer gerade islamfreundlich.

Alwalid, der in Kalifornien und New York studierte, bewegt sich zwischen zwei Welten. In seiner Heimat setzt er sich für Modernisierung ein und fördert die Rolle von Frauen in der Geschäftswelt. „Er steht für eine Öffnung des Königreichs, wirtschaftliche Reformen und Transparenz“, sagt Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Im Spektrum der Politik in Saudi-Arabien steht er damit weit links.“

Im Westen kommen Alwalid und sein Geld deshalb noch lange nicht immer gut an. Als er nach dem 11. September 2001 den New Yorkern zehn Millionen Dollar spenden wollte, lehnte Bürgermeister Rudy Giuliani ab – Alwalid habe sich zu israelkritisch geäußert. Den Prinzen dürfte das so stark geschmerzt haben wie ein Aufruhr in Brandenburg. In Nauen standen die Bürger Ende 2006 auf den Barrikaden, als das unbestätigte Gerücht die Runde machte, Alwalid plane in der Kleinstadt ein Reha-Zentrum für muslimische Kriegsopfer. Die Gegner fürchteten eine Islamisierung des Ortes.

Besteigt der Prinz einen seiner Luxusjets jedoch, um im Westen mal wieder mögliche Beteiligungsobjekte zu sondieren, bleibt der Aufschrei in der Regel aus. Dass ein Mitglied der absolutistischen Herrscherfamilie über die Geschicke der Unternehmen mitbestimme, ruft bei amerikanischen und europäischen Managern oft nur ein Achselzucken hervor.

„Alwalid ist primär ein Unternehmer und verfolgt ökonomische Interessen“, sagt Steinbach. Ideologische Hintergedanken habe er bei seinen Beteiligungen vermutlich nicht. Allerdings könne es sein, dass er sein Handeln mit politisch einflussreicheren Mitgliedern des Königshauses abstimme. In Deutschland könnte es der Prinz künftig schwerer haben, Fuß zu fassen. Denn die große Koalition will es ausländischen Staatsfonds erschweren, sich an heimischen Unternehmen zu beteiligen. „Dabei zielen wir auch auf Minderheitsbeteiligungen privater Investoren, deren Verhältnis zum Staat zu Hause unklar ist. Die Grenze ist da oft fließend“, sagte Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, dem Tagesspiegel. Das Außenwirtschaftsgesetz könnte künftig eine Einzelfallprüfung von Investoren in Branchen wie Energie und Telekommunikation vorschreiben.

„Investoren aus Saudi-Arabien machen uns da aber noch am wenigsten Sorgen“, sagt Wend jedoch. Bei bisherigen Beteiligungen in Deutschland wie an Thyssen-Krupp hätten arabische Investoren sich stets als „verlässliche Shareholder“ gegeben. Anders dagegen die Chinesen, „die es einem nicht leicht machen, sie in Wirtschaftsdingen sympathisch zu finden“, sagt der SPD-Politiker.

Alwalids Interesse an Deutschland hält sich derzeit aber in Grenzen. Die Beteiligungs-Übersicht auf seiner Homepage weist zwar viele Punkte in Deutschland auf. Dabei handelt es sich jedoch um Hotels, deren Mutterkonzern den Sitz im Ausland hat. Sein letztes größeres Engagement in Deutschland brachte Alwalid ausnahmsweise keine Freude: Die Kirch-Gruppe, an der er beteiligt war, ist mittlerweile insolvent und zerschlagen.