Saudi-Arabien : Gute Geschäfte im heißen Wüstensand

Saudi-Arabien rüstet sich für die Zeit nach dem Öl. Daher gibt es einen bisher ungekannten Bau-Boom im Wüstenreich. Dabei besonders gefragt ist Know-how und Produkte "Made in Germany".

Anne-Beatrice Clasmann
Saudi-Arabien
Der Kingdom-Tower in Riad. Das Wüstenreich bereitet sich auf die Zeit nach dem Öl vor. -Foto: AFP

IstanbulIn der saudi-arabischen Wüste herrscht zur Zeit Goldgräberstimmung. Und die Chancen, dass auch deutsche Firmen hier die eine oder andere Marktchance nutzen werden, stehen nicht schlecht. Diesmal geht es allerdings nicht um das schwarze Gold, das dem islamischen Königreich seinen Reichtum beschert hat, sondern um große Infrastrukturprojekte. Bahnstrecken sollen gebaut werden. Sechs neue Städte mit Handelszentren und Industriegebieten sollen in der Wüste entstehen. Außerdem wollen das Herrscherhaus und König Abdullah die nach Einschätzung von Experten längst überfällige Diversifizierung der immer noch sehr einseitig auf das Öl konzentrierten Wirtschaft vorantreiben.

"Wir spüren in letzter Zeit ein deutlich gewachsenes Interesse an Waren und Leistungen deutscher Unternehmen, vor allem wenn es um Baumaterialen und technisches Know-How geht", sagt der stellvertretende Delegierte der deutschen Wirtschaft in Riad, Mark Potstada. Siemens hat bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach der Konzern die Stromversorgung für das derzeit größte Projekt der Region, die König Abdullah Economic City in Rabigh am Roten Meer, sicherstellen soll. Die Deutsche Bahn interessiert sich für mindestens eines der vier großen Eisenbahn-Projekte. Im vergangenen April wurde bekannt, dass deutsche Unternehmen auch am Bau des ersten Teilabschnitts von 576 Kilometern für die Nord-Süd-Eisenbahnlinie beteiligt sein werden. Wer diese deutschen Firmen sind, die sich dem Konsortium angeschlossen haben, zu dem auch die Binladen-Gruppe und die Firma Mohammed al-Swailem angehören, wurde allerdings nicht veröffentlicht.

Dass in Saudi-Arabien derzeit so viele Großaufträge zu holen sind, hat verschiedene Gründe. Das Herrscherhaus muss bei einem Bevölkerungswachstum von 2,2 Prozent zusehen, wie es möglichst schnell genügend Wohnraum, Krankenhäuser und Schulen bereitstellt. Außerdem müssen Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn die Arbeitslosenquote wird zwar offiziell mit zwölf Prozent angegeben. Unter den jungen Saudis liegt sie jedoch laut Schätzungen bei deutlich über 30 Prozent. Zweitens haben der hohe Ölpreis und die gestiegene Fördermenge den Saudis in den vergangenen Jahren viel Geld in die Kassen gespült, für das nun Investitionsmöglichkeiten gesucht werden.

Exporte nach Saudi-Arabien stiegen um 24 Prozent

Zwar hatten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Saudi-Arabien 2003 als wichtigster arabischer Handelspartner der deutschen Wirtschaft abgelöst. Doch der Trend zeigt inzwischen wieder in eine andere Richtung. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wuchsen die deutschen Ausfuhren in die VAE zwar nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums erneut um gut 17 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Die Exporte nach Saudi-Arabien stiegen im gleichen Zeitraum jedoch sogar um knapp 24 Prozent auf 2,53 Milliarden Euro an. "Außerdem ist Dubai inzwischen eine Drehscheibe für den internationalen Handel, was bedeutet, dass ein Teil der deutschen Waren die Emirate wieder verlässt, wohingegen das, was nach Saudi-Arabien geliefert wird, in der Regel auch im Land bleibt", gibt Potstada zu bedenken.

Er ist, wie auch die meisten deutschen Manager, die in Saudi-Arabien arbeiten, der Meinung, dass, wer in Saudi-Arabien auf lange Sicht gute Geschäfte machen will und Güter vertreibt, bei denen auch Service eine Rolle spielt, vor Ort präsent sein sollte. Viele Firmenvertreter - vor allem diejenigen, die Familie haben - betreuen das Saudi-Arabien-Geschäft dennoch lieber von Dubai aus. Denn ein Leben in einer Ausländersiedlung, die zum Schutz vor möglichen Islamisten-Terroranschlägen hinter Stacheldraht und hohen Betonmauern liegt, ist nicht jedermanns Sache. Auch dass Frauen nicht Auto fahren dürfen, und dass sie in dem islamisch-konservativen Land gezwungen werden, in der Öffentlichkeit ein schwarzes Gewand mit Kopftuch zu tragen, schreckt viele Ausländer ab. (mit dpa)