Der Tagesspiegel : Schabe im Feuerkreis als Präsent

Bernauer Deponiefirma hält sich in Erinnerung

Claus-Dieter Steyer

Bernau - Die umstrittene Deponiefirma aus Bernau beweist einen makabren Humor. Denn sie überrascht derzeit ihre Geschäftsfreunde mit Souvenirs, die ein besonderes Bild zeigen: Eine von Flammen umzüngelte Schabe. „Feuer und Ungeziefer waren 2005 nun einmal die bestimmenden Themen für unser Unternehmen“, sagt Ralf Lemke aus der Chefetage der Firma Geab. Die Tassen, Lineale und Briefbeschwerer seien als Dankeschön für die erwiesene Treue gedacht.

Das Unternehmen arbeitet seit dem Großbrand im September nur mit einer eingeschränkten Betriebserlaubnis. Nach dem Feuer, dessen Rauchwolken bis nach Berlin gezogen waren, hatte die Öffentlichkeit von groben Verstößen gegen Vorschriften erfahren. So überschritten die vorgefundenen Müllmengen die erlaubten Größen um fast das Dreifache. Das begünstigte nicht zuletzt eine Schabenplage in einer Siedlung nahe der Deponie. Deren Bewohner mussten die Kosten für die Schädlingsbekämpfung selbst zahlen. In Bernau wuchs der Ärger, und davon muss sich auch der von der Polizei ermittelte Brandstifter angesteckt haben lassen. Der Bernauer nannte als Motiv für seine Tat „Wut auf die Deponie und die Schaben“.

Inzwischen hat der Frost das Ungeziefer gestoppt. Ralf Lemke von der Geab versichert, dass es in diesem Jahr keine Schabenplage mehr geben würde. „Bis zum Frühling ist das Lager, wo der Müll mit den Schaben liegt, komplett geräumt“, verspricht Lemke. Das Brandenburger Landesumweltamt überwacht nach eigenen Angaben den Abbau der überzählig gelagerten Müllmenge. „Unsere im September ausgesprochene Stilllegungsverfügung ist nur ausgesetzt“, bestätigt der zuständige Abteilungsleiter Helmut Geißler. „Wir haben mit der Firma einen bis zum 1. März laufenden Vertrag geschlossen. Bis dahin müssen unsere Auflagen erfüllt sein.“ Die Behörde hat aus verständlichen Gründen kein Souvenir mit Flamme und Schabe erhalten. Die Firma Geab selbst betrachtet die Idee als einmalige Aktion. „Wir schmücken damit nicht dauerhaft unsere Briefköpfe“, erklärte die Geschäftsführung.

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