Schatzmeister verschwunden : Grünes Entsetzen

Der Schatzmeister der Brandenburger Grünen Christian Goetjes tauchte mit 40.000 Euro unter. Parteifreunde sprechen von privaten Problemen.

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Christian Goetjes, der verschwundene Schatzmeister der Grünen in Brandenburg
Christian Goetjes, der verschwundene Schatzmeister der Grünen in BrandenburgFoto: promo

Hohen NeuendorfNoch immer gibt es keine Spur von Christian Goetjes, dem verschwundenen Schatzmeister der Grünen in Brandenburg. An seinem Handy meldet sich nur die Mailbox. Es gilt als wahrscheinlich, dass er mit 40.000 Euro von den Konten der Landespartei durchgebrannt ist. Dort herrscht blankes Entsetzen. Nicht nur über den Verlust des Geldes, vor allem über den 33-Jährigen aus Hohen Neuendorf (Oberhavel).

Die Polizei ermittelt nicht nur wegen Veruntreuung von Parteigeldern, die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen des Verdachts auf Geldwäsche seit Monaten im Visier. Eine Berliner Bank hatte 2010 eine Verdachtsanzeige erstattet. Goetjes hatte Misstrauen mit Geldgeschäften ausgelöst, die er im Mai/Juni 2010 getätigt haben soll. Die Ermittler prüfen den Verdacht, das Geld könnte aus Straftaten stammen.

Goetjes galt als engagiertes Nachwuchstalent mit Ambitionen

Von alldem haben seine Parteifreunde nichts geahnt. „Es war nicht zu merken, dass sich tiefe Gräben in ihm aufgerissen haben“, sagt ein Weggefährte. Viele Mitglieder wissen aber von privaten Sorgen im Jahr 2009. Goetjes galt als engagiertes Nachwuchstalent mit Ambitionen für höhere Aufgaben in der Partei. Schon früh bastelte er an seiner Karriere: mit 18 Jahren Vorsitzender des Landesschülerrates, nach dem Abitur 1999 Chef der Grünen Jugend Brandenburg, Kreisparteichef in Oberhavel, seit 2000 Schatzmeister der Landes-Grünen, später auch der Kreispartei, seit sechs Jahren Stadtverordneter in Hohen Neuendorf. „Wenn er was gemacht hat, dann hervorragend“, sagt ein Parteifreund.

2010 aber wurde Goetjes das alles zu viel, zumal er seit dem Einzug der Grünen in den Landtag als ehrenamtlicher Schatzmeister mehr zu tun bekam. Goetjes ließ Termine platzen. Bei einem Krisengespräch deutete er an, dass es zeitlich für ihn eng wird. Auch als Lokalpolitiker in Hohen Neuendorf kam er immer seltener zu Sitzungen. „Er hat es immer mit seinem Studium begründet“, heißt es.

Am Montag wollte er die Geschäfte übergeben

Dabei studiert Goetjes nicht mehr in Berlin Wirtschaftswissenschaften, wurde im April 2010 exmatrikuliert, fand die Polizei heraus. Anfang Februar hatte er dem Vorstand seinen Rücktritt angedeutet. Am Montag wollte er die Geschäfte übergeben. Doch Montagmorgen meldete sich Goetjes per SMS: Er komme später – es war seine letzte Nachricht, er kam nicht.

Am Dienstag entdeckte Landesparteichefin Annalena Baerbock, dass bis Montag in drei Tranchen 40.000 Euro in bar abgehoben wurden. Heute will Baerbock klären, warum das Geld trotz des Vieraugenprinzips ausgezahlt wurde. Geldgeschäfte der Partei können nur zwei verfügungsberechtigte Vorstandsmitglieder absegnen – beide Landeschefs und bis Montag der verschollene Goetjes.

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