Schengen-Abkommen : Feiern zum Ende der Grenzkontrollen

Feuerwerke, neue Busse und neue Brücken: Am Freitag tritt Polen dem Schengen-Abkommen bei.

Claus–Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) - Ab kommenden Freitag wird es an der deutsch-polnischen Grenze keine Ausweiskontrollen mehr geben. An sämtlichen Übergängen an Oder und Neiße räumen die Beamten ihre Abfertigungsbaracken. Ihr neues Einsatzgebiet wird im Hinterland der Grenze sein. Hier sollen sie künftig in einem 30 Kilometer breiten Abschnitt verstärkt auf Streife gehen, teilweise gemeinsam mit ihren polnischen Kollegen.

Die interessanteste Frage vor dem Wegfall der Personenkontrollen betrifft aber die Lage auf der Autobahn von Berlin nach Frankfurt (Oder). Gehören die Staus der Lastwagen bald endgültig der Vergangenheit an – oder nehmen sie und damit die Unfallgefahr sogar noch zu? Brandenburgs Verkehrsminister Reinhold Dellmann (SPD) jedenfalls rechnet mit einer „spürbaren Entlastung“, weil es hinter der Oderbrücke keine Grenzabfertigung mehr gebe. Speditionsunternehmen und viele Lkw-Fahrer aber bleiben skeptisch. Auch nach dem Ende der Zollkontrollen nach dem EU-Beitritt Polens im Mai 2004 seien voreilige Prognosen abgegeben worden. Die Zahl der Lastzüge aus und nach Osteuropa habe jedoch seither so stark zugenommen, dass die Effekte des zollfreien Verkehrs rasch kompensiert wurden. Eine ähnliche Entwicklung werde jetzt eintreten, meinen mehrere Spediteure.

Tatsächlich hängen die Staus der Lkw nur zum Teil mit der Grenzabfertigung zusammen. Kurz hinter der Oder endet die Autobahn A 12 nach Osten und geht in eine schmale Landstraße über. Hier zwängen sich dann die Lastzüge aus halb Europa zusammen mit Pkw, Kleintransportern und Omnibussen auf eine wenig leistungsfähige Piste. Erst nach 100 Kilometern beginnt die neue polnische Autobahn in Richtung Warschau. Solange diese Lücke nicht geschlossen ist – das soll nicht vor 2012 der Fall sein –, dürfte der internationale Verkehr kaum flüssiger aus Deutschland herausrollen. Am vergangenen Wochenende reichte der Stau vom Grenzübergang rund 20 Kilometer in Richtung Berlin zurück.

Weil sich die meisten Unfälle immer wieder am Ende der Lkw-Kolonne ereignen, werden alle Autofahrer künftig auf der A 12 durch neue elektronische Anzeigetafeln auf Gefahrenstellen aufmerksam gemacht. Hier wird auch die jeweils zulässige Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Auf der Autobahn sind täglich rund 10 000 Lastzüge unterwegs. Sie machen rund 30 Prozent des Verkehrs aus. Auf keiner anderen Brandenburger Autobahn wird so ein hoher Wert erreicht.

Das Ende der Passkontrolle aber ist am Donnerstag und Freitag vielerorts ein Anlass zum Feiern. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eröffnet am Donnerstag um 12 Uhr eine neue regelmäßige Buslinie zwischen Schwedt und der polnischen Stadt Chojna (Königsberg). Am Nachmittag nimmt das deutsch-polnische Polizei- und Zollzentrum in der Grenzabfertigungsanlage an der Oderbrücke seine Arbeit unter Teilnahme von Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) auf. Hier werden Beamte der polnischen Polizei, der Polizei Brandenburgs, Berlins, Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns, der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes und des polnischen Grenzschutzes sowie der Zollbehörden beider Länder zusammenarbeiten.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten beginnt kurz vor Mitternacht auf der Stadtbrücke zwischen Frankfurt und Slubice. Platzeck, Frankfurts Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU) und Vertreter der polnischen Nachbarregionen nehmen an der letzten Abfertigung eines Autos teils. Danach gibt es kostenlose Getränke und ein großes Feuerwerk. Die Studenten beider Nachbarstädte veranstalten eigene Partys. Auch am Grenzübergang Küstrin-Kietz wird am Donnerstag ab 22 Uhr 30 gefeiert, auch hier mit einem Feuerwerk als Höhepunkt. Am Freitag nehmen dann weitere Buslinien von Frankfurt nach Slubice sowie zwischen Cottbus und Zielona Gora (Grünberg) ihren Betrieb auf. Am späten Freitagabend feiert Guben die Eröffnung einer neuen Brücke über die Neiße.

Der Wegfall der Grenzkontrollen bedeutet übrigens auch, dass man die Grenze an jeder Stelle überschreiten darf. Wer also im Sommer mit seinem Boot an der polnischen Oderseite anlegen will, kann das ganz legal tun. Er sollte aber dennoch seinen Ausweis dabeihaben – schließlich ist er immer noch im Ausland.

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