Schiedsrichter Krug : Abpfiff

Posse zweier "Sturköpfe": Der ehemalige Schiedsrichter Hellmut Krug scheidet im Streit vom Deutschen Fußball-Bund.

Frank Hellmann,Robert Ide
Konsequent bis zum Schluss:
Konsequent bis zum Schluss: Schon als Schiedsrichter machte Hellmut Krug keine Kompromisse.Foto: ddp

Berlin - An Schlichtung war erst gar nicht zu denken, so unversöhnlich standen sich die beiden Streitenden gegenüber. Aus dem einmaligen Zwist unter Schiedsrichtern, hier Volker Roth aus Salzgitter, ehrenamtlich Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dort Hellmut Krug aus Gelsenkirchen, hauptamtlich DFB-Abteilungsleiter Schiedsrichter, ging letzterer als Verlierer hervor. Krug wird versetzt und aus dem Schiedsrichterwesen abgezogen – so lautete der Entschluss des DFB-Präsidiums, der wohlweislich erst am Freitagabend bekannt gegeben wurde. Der öffentliche Widerhall auf die Posse zweier „Sturköpfe“, so ein DFB-Vertrauter, ist dem größten deutschen Sportverband nämlich ein bisschen peinlich. Das Verhältnis zwischen beiden ist „irreparabel gestört“, bestätigt Präsident Theo Zwanziger.

Erfolglos blieben zuvor alle Lösungsversuche, die Generalsekretär Horst R. Schmidt und der für den Spielbetrieb zuständige Direktor Willi Hink unternahmen. Vergeblich, zumal Obmann Roth in der Vergangenheit Krug mehrfach persönlich dafür gerüffelt hatte, „dass er sich verselbständigt habe“. Krug, der auch Kolumnist beim Tagesspiegel ist, spricht dagegen von inhaltlichen Differenzen, will sich aber nicht äußern. „Ich möchte keinen Konflikt in der Öffentlichkeit austragen“, sagte Krug am Samstag lediglich. In DFB-Kreisen wird bestätigt, dass es sich nicht nur um einen persönlichen, sondern auch um einen inhaltlichen Streit handelt. Demnach habe Krug intern auf eine Professionalisierung der Schiedsrichter gesetzt, während Roth vor allem die Unabhängigkeit des Schiedsrichterwesens betonen wollte.

Der ehemalige Fifa-Referee war 2003 pikanterweise erst auf Betreiben von Roth zum DFB geholt worden. Anlässlich seines Geburtstags im Januar 2007 hatte Roth dessen Arbeit noch explizit gelobt. Doch mehr und mehr sah Roth die öffentlichen Auftritte von Krug skeptisch, intern warf er ihm vor, Alleingänge zu unternehmen und Loyalität vermissen zu lassen, heißt es in Verbandskreisen. Roth machten vor allem die guten Kontakte Krugs zur Deutschen Fußball-Liga skeptisch, speziell zu Geschäftsführer Holger Hieronymus. Dahinter steckte die Sorge, dass das derzeit noch komplett beim DFB angesiedelte Schiedsrichterwesen in die Hände der DFL fällt. Die hat seit längerem ein Interesse daran, im Schiedsrichterbetrieb an Einfluss zu gewinnen, ihn für den Profifußball gar auf absehbare Zeit selbst zu organisieren. Darüber will der 65-jährige Roth aber nicht mit sich reden lassen: „Es wäre das Schlimmste, wenn die Schiedsrichter in die Finger der Liga geraten. Dann werden womöglich Gelbe Karte wie jene von David Beckham in Spanien auf Intervention der großen Klubs annulliert.“

Hellmut Krug als Handlanger der Liga? Der 51-Jährige, eigentlich für eine Qualifizierung der Unparteiischen zuständig, verweist stets darauf, lediglich die Professionalisierung vorangetrieben zu haben und verwahrt sich gegen die Vorwürfe.

Volker Roth, der mit seinen Brüdern einen Stahlhandel in Salzgitter betreibt, konnte sich in dem Streit der Unterstützung aus dem DFB-Vorstand sicher sein. So steht auch seine Wiederwahl beim Bundestag im Oktober in Mainz für drei weitere Jahre nicht infrage. Anschließend ist dem Vernehmen nach ein Modell mit Herbert Fandel in der Vorbereitung. Fandel hatte zuletzt das Finale der Champions League gepfiffen und inzwischen international einen hervorragenden Ruf. Ab sofort wird das Schiedsrichterwesen beim DFB in der Direktion Recht, Finanzen, Personal und Verwaltung angesiedelt – damit sind alle Dienstleistungen des Verbandes für die DFL unter einem Dach.

Die Frage ist nun, was Krug noch in Frankfurt in der Otto-Fleck-Schneise tun soll. Ein anderes Aufgabenfeld, das ihm der DFB offiziell angeboten hat, ist noch nicht gefunden. Krug hat sich Bedenkzeit erbeten. Seinen Hauptwohnsitz hat der ehemalige Gymnasiallehrer sowieso nicht in Frankfurt am Main, sondern in der Nähe von Leverkusen.