Der Tagesspiegel : Schießerei auf Übungsplatz: Geldbuße für Offizier

Das Amtsgericht Potsdam hat ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen einen Bundeswehroffizier gegen eine Geldbuße von 2000 Mark eingestellt. Diese Entscheidung gab ein Gerichtssprecher am Mittwoch bekannt. Der 36-jährige Angeklagte hatte nach eigenem Eingeständnis im September 1996 auf einem Militärgelände in Lehnin Schüsse auf den Wagen eines Mannes abgegeben. Dabei wurde ein 19-Jähriger lebensgefährlich verletzt.

Der Staatsanwalt erklärte, der Offizier habe rechtswidrig zu seiner Dienstpistole gegriffen, er habe aber unter Stress gestanden. Dem Opfer sei ein Mitverschulden anzulasten, weil es in das Areal eingedrungen sei. Das Opfer - ein Soldat in Zivil - war nachts mit zwei anderen jungen Männern auf das gesperrte und beschilderte Gelände gefahren. Der Offizier hatte aus zehn bis 15 Metern auf die Reifen des Wagens gefeuert. Ein Geschoss durchschlug jedoch die Heckklappe und traf das Opfer in den Rücken.

Staatsanwalt Ralf Menger sagte zu der Entscheidung, es sei von einem "Augenblicksversagen" des Angeklagten auszugehen. Das Opfer habe sich selbst in die gefährliche Situation gebracht, zumal es angehalten worden sei, im Auto auf die Ankunft der Feldjäger zu warten. Als diese nach etwa 45 Minuten kamen, sei der 19-Jährige jedoch rückwärts auf ein Zelt zugefahren, erklärte der Angeklagte. Ein Soldat konnte sich nur durch einen Hechtsprung retten. Daraufhin habe er geschossen. Das Opfer hatte in dem Prozess ausgesagt, es sei losgefahren, weil es "zu langweilig" wurde. Er habe nicht flüchten wollen, sagte der heute 23-Jährige, der mit 1,24 Promille Alkohol im Blut und ohne Führerschein am Steuer gesessen hatte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar