Schildkröten : Zurück im Sumpf

In Brandenburg werden wieder Schildkröten heimisch – Naturschützer helfen. Am Wochenende wurden 20 Jungschildkröten in einem Naturschutzgebiet ausgewildert.

Claus-Dieter Steyer

Linum - Wer in Berlin und seiner näheren Umgebung eine Schildkröte findet, wittert manchmal eine kleine Sensation. Handelt es sich wohl um eine einheimische Sumpfschildkröte? Schließlich erobern diese Tiere – nach ihrer fast vollständigen Ausrottung in den letzten Jahrzehnten – seit einiger Zeit ihre ursprünglichen Brandenburger Lebensräume wieder zurück. „Doch wenn mich solche aufgeregten Menschen anrufen, muss ich sie nach dem Nennen des Fundortes leider enttäuschen“, sagt Norbert Schneeweiß, Leiter der Naturschutzstation Rhinluch in Linum. „Ich gebe ihnen den Rat, sich zuerst bei Nachbarn nach einem möglichen Verlust eines solchen Tieres zu erkundigen.“ Denn es handele sich mit Sicherheit um aus Südeuropa stammende Exemplare oder deren Nachfahren. „Unsere einheimische Brandenburger Sumpfschildkröte kommt im Berliner Raum nicht vor“, erklärt der Experte.

Denn die seit 250 Millionen Jahren auf der Erde lebenden Reptilien brauchen unzerschnittene Naturräume mit flachen Gewässern und einer südlich ausgerichteten Hanglage zum Vergraben ihrer Eier. Auf wiederholte Störungen reagieren sie höchst empfindlich und wandern danach ab. In vielen Gebieten Nordbrandenburgs aber besteht diese Gefahr nicht. „Dort gibt es inzwischen schon wieder 60 bis 100 erwachsene Sumpfschildkröten an fünf verschiedenen Orten“, erzählt Schneeweiß, der die genauen Plätze aber aus Sorge vor allzu neugierigen Spaziergängern lieber nicht verraten will. Zusätzlich wurden in den letzten 10 Jahren etwa 250 künstlich aufgezogene Jungtiere in der freien Wildbahn ausgesetzt. Von denen müssten nach den bisherigen Erfahrungen zwischen 40 und 60 Prozent überlebt haben.

Inzwischen sind die Brandenburger Schildkrötenzüchter sogar so erfolgreich, dass 20 zweijährige Tiere am vergangenen Wochenende im Naturpark Feldberger Seenlandschaft kurz hinter der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in die Freiheit entlassen wurden. Das letzte Exemplar war hier 2003 von Naturschützern entdeckt worden. Das weibliche Tier fand aber keinen Partner mehr zur Fortpflanzung und kam in die Linumer Aufzuchtsstation.

Die in der Mark wieder heimischen Sumpfschildkröten, die bis zu 120 Jahre alt werden können und deren nächste Verwandte erst in Frankreich zu finden sind, haben die sozialistische Großfelderwirtschaft nur mit großem Glück überlebt. In der DDR wurde faktisch jeder Quadratmeter Boden umgepflügt, viele Sümpfe wurden trockengelegt. Erst rührige Naturschützer stellten nach der Wende die alten Lebensräume wieder her, die dann von den wenigen überlebenden Tieren dankbar angenommen wurden, die sich seitdem auch wieder vermehren. Ihr größter Feind ist derzeit nicht mehr der Mensch, sondern der Waschbär, der sich mit seinen sehr beweglichen Pfoten gern über die Kröten hermacht. Claus-Dieter Steyer

Sumpfschildkröten können in einer Freianlage auf dem Gelände des Info-Zentrums „Blumberger Mühle“ bei Angermünde täglich von 9 bis 18 Uhr, an Wochenenden bis 19 Uhr, beobachtet werden. Informationen unter der Telefonnr. 03331/260 40 und im Internet bei www.blumberger-muehle.nabu.de. Auch die Aufzuchtstation in Linum steht den Besuchern nach Anmeldung montags bis freitags offen (Telefonnr. 033922/902 55).

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