Schildow : Suche nach Leiche des Türstehers am Tiefpunkt

Seit Tagen gräbt die Polizei nach einer Leiche – neben einer Villa in Schildow. Bäume sind gefällt, Hecken rasiert, die Terrasse zerstört, der Mieter verstört. Doch die Leiche ist noch nicht gefunden.

Claus-Dieter Steyer
Polizei setzt Suche nach Leiche in Schildow fort
Am Dienstag fällt eine Kiefer der Suche zum Opfer. Der Baum muss weichen, so dass der Bagger an anderer Stelle weitergraben kann....Foto: ddp

Schildow - Der Mann, vor dessen Haustür so viel Hektik herrscht, hat sich selten blicken lassen. Meist hat er nur irritiert vom Balkon in den Garten geguckt. Wobei: Garten? Davon ist ja nicht mehr viel übrig auf dem Villengrundstück in Schildow, kurz hinter dem Stadtrand Berlins.

Seit einer Woche gräbt die Polizei in der Bahnhofstraße. Irgendwo muss doch „Ahmet, der Bär“, wie der tote Türsteher genannt wurde, liegen. Ahmet K. wog 140 Kilo, war 1,90 Meter groß, eine stattliche Gestalt also. Seit zwölf Jahren soll der Tote hier vergraben sein, eingerollt in einen Teppich. Nur: Die Polizei findet die Leiche einfach nicht.

„In einer Ecke ist das Paket wohl vergraben“, sagt ein Polizeisprecher am siebten Tag der Suche.

Längst ist aus dem Loch, das Polizisten vor einer Woche gebuddelt haben, eine Grube geworden: Zehn Meter lang, drei Meter breit, mehr als drei Meter tief. Zwei Bagger waren im Einsatz, das THW, Spezialisten von Baufirmen und Experten mit Radargeräten. Die Hecke zum Nachbarn ist völlig verschwunden. Eine vielleicht 50 Jahre alte Kiefer, die die Polizei anfangs noch mit Brettern vor einer Beschädigung schützen wollte, ist auch gefällt worden; am Dienstag nun wurde der Pavillon im Garten – samt Holzfußboden und Grillofen – plattgemacht.

„Das ist alles makaber“, sagt der Mann, der in diesem Haus wohnt. Was ist makaber? Die Suche der Polizei im Garten?

Nein, sagt er, dass die Leiche dort seit 1996 liegen soll. Der tote türkische Türsteher soll in der Diskothek „Papparazi“ ermordet worden sein, in der Nürnberger Straße in Berlin-Schöneberg. Auf der Baustelle in Schildow wurde der Tote vergraben. Angeblich von dem Mann, der sich an die Polizei gewandt hat. Drei Mal war er auf dem Grundstück und gab Tipps.

Es war immer was los in der Straße, stets gefilmt von „Spiegel Online“ fürs weltweite Netz. Einmal wurde ein Leichensuchhund in die Grube getragen, in einem Spezialsack auf dem Rücken eines Polizisten. Ohne Erfolg. Dann kam ein Potsdamer Ingenieur, der mit seinem Bodenradar sonst vorwiegend Archäologen bei der Skelettsuche hilft, und der nun Wellen in den Schildower Untergrund schickte. Das Ergebnis auf seinem Laptop: „Das ist etwas Auffälliges!“. Wieder machte die Polizei Kreuze auf dem Rasen und ließ die Pankower Ortsgruppe des Technischen Hilfswerkes anrücken. Als ihr Bagger die ersten gefüllten Schaufeln auf dem Grundstück verteilte, tönten sie: „In sechs Stunden sind wir auf fünf Meter Tiefe. Dann haben wir die Leiche.“ So tief kam der Bagger niemals. Sie gruben sich immer tiefer ein und schließlich bestand die Gefahr, selbst verschüttet zu werden. Also dann: Nächster Versuch. So ging das Tag für Tag, ein wahres Schauspiel.

Die Kamerateams und Reporter haben sich längst in der leeren Wohnung im Erdgeschoss eingelebt, das ist das provisorische Medienzentrum. Es gibt Kaffee vom Bäcker gegenüber, eine Toilette, eine Heizung und keine Leiche. Und weil irgendwann auch die Veranda am Haus – von den Polizisten scherzhaft „Pressetribüne“ genannt – bei den Arbeiten im Weg war, wurde sie auch gleich abgerissen.

Eine Woche Arbeit ist nun rum, unzählige Polizisten waren im Einsatz, stets ohne Erfolg – auch gestern. Lohnt sich die Suche überhaupt? Die Polizei will in den nächsten Tagen entscheiden, wie es weitergeht. Und dann beginnt die Aufnahme der angerichteten Schäden. Für deren Beseitigung und die Kosten der Baufirma kommt die Staatskasse auf. Es dürfte einiges zusammengekommen sein.

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