Schlafkrankheit : Ein Mittel gegen den tödlichen Schlaf

Wissenschaftler finden neue Substanz im Kampf gegen Tropenkrankheit.

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Gefährliche Parasiten. 1000fach vergrößert erinnern die Erreger der Schlafkrankheit an winzige Schlangen. -Foto: picture-alliance

Der Parasit sieht aus wie eine winzige Schlange, die sich in den Adern des Menschen geschmeidig an den roten Blutkörperchen entlangwindet. Trypanosoma brucei heißt der einzellige Eindringling. Er löst die Schlafkrankheit aus und gehört zu den Plagen des afrikanischen Kontinents. Durch den Biss der Tsetsefliege gelangt der Parasit in das Blut des Menschen. Dort vermehrt er sich und führt zwischen den roten Blutkörperchen seinen Tanz des Todes aus. Erst kommen Fieber, Kopfschmerzen, Jucken. Sobald der Erreger in das Gehirn wandert, folgen Verwirrtheit, Koordinationsstörungen und schließlich ein Koma, das ohne Behandlung zum Tod führt.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden zwischen 50 000 und 70 000 Menschen an der Tropenkrankheit, etwa halb so viele sterben jedes Jahr an ihr. Bis heute gibt es kein gutes Medikament gegen die Erkrankung. Nun haben Forscher von der Universität Dundee im Tierversuch eine vielversprechende neue Substanz entdeckt. Das schreiben sie im Fachblatt „Nature“ (Band 464, Seite 728). Infizierte Mäuse, die die Chemikalie DDD85646 bekamen, besiegten den Erreger.

Das ist alles andere als leicht. Der Erreger lebt zwar außerhalb der Blutzellen und sollte somit ein leichtes Ziel abgeben. Aber er versteckt sich vor dem Immunsystem, indem er die Eiweiße auf seiner Oberfläche ständig verändert. Und in einem Jahrhundert Forschung sind kaum Moleküle gefunden worden, die sich bei Trypanosoma angreifen lassen, ohne gleichzeitig den Menschen schwer zu schädigen. Die Forscher hatten nun Erfolg, indem sie das Molekül NMT hemmten. Das gibt es zwar auch beim Menschen, dort ist es offenbar aber nicht so entscheidend.

NMT hängt einen kurzen Fettsäureanker an bestimmte Eiweiße der Außenhülle. Ohne diese Fettsäureanker wird die Hülle offenbar instabil. „Es sieht aus, als würden die Trypanosomen einfach platzen“, sagt Paul Wyatt, der die Untersuchung geleitet hat.

Aus einer Bibliothek von 62 000 Substanzen suchten die Forscher die heraus, die NMT am stärksten hemmen. Durch kleine chemische Verbesserungen gelangten sie schließlich zu DDD85646. „Damit sind wir aber noch nicht am Ziel“, sagt Wyatt. Das größte Problem: Die Substanz gelangt nicht ins Gehirn. Deswegen kann sie die Krankheit bisher nur in ihrer frühen Phase besiegen. Weitere Veränderungen sollten das Problem beheben, sagt Wyatt. In 18 Monaten könnten dann hoffentlich erste Versuche am Menschen beginnen.

Aber das Medikament soll nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Nutztieren eingesetzt werden. Auch sie sterben an der Infektion mit Trypanosma brucei. Dadurch verursacht der Erreger jedes Jahr einen Schaden von fast einer halbe Milliarde Euro – in einer der ärmsten Regionen der Welt. Kai Kupferschmidt

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