Der Tagesspiegel : Schlammschlacht um ein preußisches Mustergut

Reinhard Bünger

Das Land Brandenburg und seine Gemeinden haben es schwer, wenn es um den Erhalt kulturell wertvoller Liegenschaften geht. In Möglin, gelegen zwischen Wriezen und Seelow, droht einer weiteren "Perle" das Aus: Der Thaer-Hof, benannt nach dem wichtigsten Agrarreformer Preußens - Albrecht Daniel Thaer (1752 bis 1828), steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der auf dem Hof ansässige Thaer-Verein und der Bürgermeister Möglins, Otfried Anklam, fordern nach Tagesspiegel-Informationen die Rückabwicklung des Kaufvertrages mit dem Bielefelder Investor und Immobilienhändler Ekhard Horstmeyer. Sie werfen ihm vor, seine Investitionsverpflichtungen und das kulturelle Erbe Thaers zu vernachlässigen und auf dem ehemaligen Treuhand-Hof eine Alibi-Landwirtschaft zu betreiben. Buchstäblich kurz vor Toresschluss konnte die Treuhand-Nachfolge-Gesellschaft BVVG am Donnerstag abwenden, dass der Museumsverein an diesem Wochenende mit Sack und Pack das Gelände verlässt: Horstmeyer hatte dem Thaer-Verein zum Jahresende gekündigt.

Der gelernte Gärtner Horstmeyer hatte den Hof 1996 von der Treuhand-Nachfolgerin BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH) für 1,28 Millionen DM erworben. Nach eigenen Angaben finanzierte er den Kauf unter anderem mit einem Darlehen der IHG Immobilienhandelsgesellschaft - einer Kommanditgesellschaft auf Aktien. Horstmeyer selbst ist Geschäftsführer der IHG. Das stattliche Anwesen am Oderbruch - mit Gutshaus und Park - umfasst laut Kaufvertrag 220 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen und über 10 000 Quadratmeter Gebäudeflächen. Horstmeyer musste sich verpflichten, die Flächen bis zum 30. August 2016 landwirtschaftlich zu nutzen und diese selbst zu bewirtschaften. Er musste "garantieren", innerhalb einer Frist von fünf Jahren 2,8 Millionen DM in den Hof zu investieren und - dort zu belassen. Er gab zudem eine Garantie für sieben Vollzeitarbeitsplätze ab.

Der Museumsverein wirft dem Unternehmer jedoch vor, mit der Immobilie zu spekulieren. Horstmeyer betreibe auf dem Hof eine "Sauwirtschaft", klagt Wilfried Hübner, Vorstandsmitglied im Förderverein Albrecht Daniel Thaer. Die Anzeige der Agrargenossenschaft Schulzendorf gegen die Thaerhof GmbH wegen unzulässiger Bedingungen in der Schweinehaltung spräche Bände, meint er. Eine Sau habe ihre Jungen aufgefressen, da die Schweine im Freien keine Nahrung mehr fänden und nicht regelmäßig gefüttert würden.

Horstmeyer hält dem entgegen, dass er gezwungen sei, seine Schweine in Freilandhaltung herumlaufen zu lassen: "Ich kann nicht in Ställe investieren, die mit Rückübertragungsansprüchen belegt sind. Wie soll ich sieben Mitarbeiter beschäftigen, wenn mir das Veterinäramt die Freilandhaltung von Schweinen untersagt? Wie soll ich mir neue Ställe an anderer Stelle anschaffen, wenn mir die Gemeinde keine Baugenehmigung gibt? Wie soll ich einen Gaststättenbetrieb unterhalten, wenn ich keine Jugendgruppen in meinem Bauwagen aus DDR-Zeiten unterbringen darf?"

Die Befürchtung, dass die Immobilie inzwischen ein Objekt der Vermögensspekulation geworden ist, wird von der zuständigen Abteilung im Landwirtschaftsministerium Brandenburgs geteilt. Karlheinz Großkopf, Referatsleiter Grundsatzangelegenheiten in der Abteilung Landwirtschaft und ländlicher Raum im Landwirtschaftsministerium Brandenburgs, kennt den Hof noch aus den Zeiten vor der Wende. "Ich kann mir nicht vorstellen, wo die Millionen, die Herr Horstmeyer gegenüber der Treuhand-Nachfolgegesellschaft BVVG als Investitionen ausgewiesen hat, hingeflossen sein sollen", erklärte Großkopf dem Tagesspiegel. Die Situation sei "in jeder Hinsicht" verfahren.

Das Anwesen macht einen vernachlässigten Eindruck - mit Ausnahme des 1978 und noch einmal nach der Wende aufwändig restaurierten Guts- bzw. Herrenhauses und des zu Nachwendezeiten mit Fördermitteln eingerichteten Museums. In das so genannte Professorenhaus und in das Gutshaus investierten Land und Bund weit über 700 000 Mark: damit dort angemessen an einen der Väter der deutschen Landwirtschaft erinnert werden kann. Mit zahlreichen ABM-Projekten wollte das Land Brandenburg auf dem Thaer-Hof nach der Wende einen Lehr- und Demonstrationsbetrieb auf den Weg bringen. Es gab Verträge mit der Humboldt-Universität, die Studenten nach Möglin brachte. Nach dem Verkauf an den Investor Horstmeyer hoffte das Land auf neue Impulse für diese Pläne. Sie blieben jedoch aus.

Horstmeyer gibt auf Anfrage zu, dass es sich bei seinem Kauf des Thaer-Hofes um eine "Investitionsfehlentscheidung" handele, "die auf meine Kappe geht". Die Aktien der Kleinanleger, die auf Horstmeyer setzten, stehen nun schlecht.

Der Leiter der Außenstelle der BVVG in Cottbus ist Horstmeyers Argumentation bisher gefolgt. In einem Gespräch mit Vertretern des Thaer-Vereins machte Manfred Schröder bereits im Juli deutlich, dass die Treuhandnachfolgerin gar nicht daran denke, den Kauf rückgängig zu machen - nur weil der Museumsverein sowie Möglins Bürgermeister es gerne so hätten und weil Investitionen noch nicht so geflossen seien, wie es im Vertrag stehe. "Man kann nicht auf Mark und Pfennig sagen, ob die Investitionsverpflichtungen erfüllt sind", sagte Schröder, selbst gelernter Landwirt. "Wenn die Investitionen nicht getätigt werden, droht Horstmeyer eine Vertragsstrafe. Aber es sind eben keine amerikanischen Verträge, wo alles bis in den letzten Punkt geregelt ist." Zudem habe Horstmeyer seine Vorhaben bislang aufgrund der örtlichen und rechtlichen Gegebenheiten nicht so durchsetzen können, wie er es geplant habe.

Der Thaer-Verein fürchtet, dass auch die geliebte Museumsstätte in den Hände Horstmeyers fällt, sobald die BVVG nicht mehr ihre schützende Hand über das Objekt hält. Laut Vertrag gehört Horstmeyer das sogenannte Professorenhaus bereits, und er muss auch die Fördermittel nicht zurückzahlen, sofern in dem Gebäude eine Gedenkstätte betrieben wird. Was, wenn die Landwirtschaft auf dem Thaer-Hof in Möglin gänzlich zum Erliegen kommt? "Wenn der Thaer-Hof in Konkurs geht, gehört weiterhin alles mir", sagt Horstmeyer, "nur würde hier dann kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr sein."

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