Schlössernacht : Das ganz besondere Strahlen

550 Künstler unterhielten die 33 000 Besucher in Sanssouci. Und erstmals waren auch Pferde und ein Kamel dabei.

Claus-Dieter Steyer
Schloss
Historische Kostüme und festliche Beleuchtung prägten gestern Abend die Szenerie der Schlössernacht in Potsdam. -Foto: dpa

Potsdam - Pferde und besonders Kamele hat man im Park Sanssouci schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Gestern jedoch drehten diese Tiere dort ihre Runden – auf einem kleinen Terrain, wo sie keinen Schaden anrichten konnten. Auf der Lindenavenue zwischen dem südlichen Eingang und dem Neuen Palais begeisterten sie die Gäste der Potsdamer Schlössernacht mit perfekter Dressur. Die Mitglieder des Ensembles „Carousel-barock“ gehörten zu den rund 550 Künstlern, die die neunte Auflage der bundesweit einmaligen Schlössernacht gestalteten. Besser hätte man auf das bis weit nach Mitternacht dauernde Programm an den insgesamt 30 Spielorten gar nicht eingestimmt werden können.

Wie in den zurückliegenden Jahren, waren die 33 000 Tickets auch diesmal schon im Januar innerhalb von zwei Stunden ausverkauft gewesen. Mehr Besucher vertragen die königlichen Anlagen nach Einschätzung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten nicht. „Ein Drittel unserer Gäste kommt aus Berlin, das andere Drittel aus Brandenburg, der Rest aus dem weiterem Bundesgebiet und zunehmend aus dem Ausland“, sagte Reinhard Mann, der zusammen mit einer Partneragentur die Veranstaltung seit Jahren organisiert.

Zwar dominierten auch im gestrigen Programm wieder Musik, Tanz, Gesang und Theater. Aber die Gäste nutzen auch die Angebote von Vorträgen, Lesungen und Führungen. Im Schlosstheater des Neuen Palais lasen Sybille Prinzessin von Preußen und Friedrich Wilhelm von Preußen aus ihrem Buch „Die Liebe des Königs“ über Friedrich II. Schon dieser hatte in seinen Lieblingspark ein Kamel bestaunen können, die russische Zarin Katharina die Große hatte es ihm bei einem Besuch geschenkt. Der strenge preußische König nahm das Präsent aber erst an, nachdem ein Gutachten die Verträglichkeit des märkischen Klimas für das Tier bestätigt hatte. Für etwa 250 Jahren blieb es das letzte Kamel in Sanssouci. Pferde dagegen trabten vor gar nicht langer Zeit über die historischen Wege. Sie gehörten 1992 zum Besuchsprogramm der Queen.

Damals schmückte noch ein großes schmiedeeisernes Meisterwerk den Haupteingang zum Park am Neuen Palais. Ursprünglich sollte das sogenannte Posttor die Besucher der Weltausstellung 1893 in Chicago begeistern. Den späteren Platz in Sanssouci hatte Kaiser Wilhelm II. ausgesucht. Doch vor zehn Jahren musste das Tor wegen großer Schäden abgebaut werden. Dank der Einnahmen aus der diesjährigen Schlössernacht kann nun die fast 200 000 Euro teure Restaurierung beginnen. Im nächsten Jahr soll das Tor wieder in alter Pracht erstrahlen.

Fünf der 35 Euro teuren Eintrittskarten kommen in jedem Jahr der Sanierung eines Objektes zugute. Diesmal konnten sich die Besucher über die Fontänen vor dem Neuen Palais freuen, die durch die Einnahmen aus der vorjährigen Schlössernacht repariert werden konnten.

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