Der Tagesspiegel : Schloss Briesen: Wie Klein-Sanssouci wieder ganz groß werden will

Helmut Caspar

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg empfing der Besitzer des Berliner Metropol-Theaters, Fritz Paul Jentz, auf seinem eben erst erbauten Schloss Briesen am nördlichen Rand des Spreewalds Stars der Berliner Kunstszene, dazu auch Vertreter von Politik und Wirtschaft. Der reich verheiratete Kommerzienrat hatte sich neben dem alten Schloss ein riesiges neues Schloss errichten lassen, das durch Prunk und Ausstattung beeindruckte und "Klein Sanssouci" genannt wurde.

Die Zeitläufte hat das ehemalige Rittergut ziemlich beschädigt überstanden - und nun steht ihm ein Comeback als Kunst-Mekka bevor. Der Förderverein "Zwei Schlösser e. V.", der sich seit 1996 für die alten Gemäuer engagiert, will Aufmerksamkeit auf die teils desolate Lage der märkischen Schlösser lenken. Nach einer kleinen Schlössernacht im August soll es Ende September ein Schlossherrentreffen mit Vertretern der Preußischen Schlösserstiftung und Denkmalämtern, mit Restauratoren und Architekten geben. Sie wollen Gedanken austauschen über Nutzungskonzepte, effektive Sanierungsverfahren, die Zusammenarbeit von Bauherren, Besitzern, Nutzern, Kommunen - und Geld.

Der Restaurationsbedarf im Schloss Briesen ist groß. In der Nazizeit als NS-Erholungsheim und nach dem Zweiten Weltkrieg als Kommandantur der Roten Armee, Flüchtlingsasyl, SED-Parteischule und Oberschule genutzt, verkam das Schloss, dessen Architekt unbekannt ist. Was Kriege und Katastrophen überstanden hat und nun wiederhergestellt wird, lässt den ursprünglichen Prunk und Protz ahnen. Das Schloss mit prächtiger Auffahrt, säulenbestücktem Eingang, hohen Dächern und riesigen Zimmerfluchten wird gegenwärtig restauriert, während der Park auf seine historische Gestalt zurückgeführt wird. Wiederhergestellt ist bereits die märkischen Herrenhäuseren nachempfundene Auffahrt mit Balustraden und Puttenschmuck, erst vor kurzem wurden Schäfte gußeiserner Kandelaber aufgestellt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar