Der Tagesspiegel : Schloss Paretz: Juwel der Baukunst

Helmut Caspar

Ende September wird das Schloss Paretz, die 20 Kilometer von Potsdam entfernte Sommerresidenz des Königs Friedrich Wilhelm III. und seiner aus der Strelitzer Herzogsfamilie stammenden Gemahlin Luise, als Schlossmuseum eröffnet. In einer kleinen Ausstellung will die Preußische Schlösserstiftung die Bau- und Restaurierungsgeschichte des schlicht-bürgerlichen Herrenhauses dokumentieren und damit auf ein Juwel märkischer Schlossbaukunst im Frühklassizismus aufmerksam machen.

Zur Zeit ist das 1797 nach Plänen des Geheimen Oberbaurats David Gilly errichtete Gutshaus noch eine Baustelle. Unhistorische Einbauten wurden bereits entfernt, außen ist der Putz erneuert, innen haben Bauleute die königlichen Wohn- und Arbeitsräume auf ihre alten Grundrisse zurückgeführt. Die charakteristischen Sprossenfenster sind wieder eingebaut, und auch die sparsamen Stuckaturen aus der Erbauungszeit zieren die Saaldecken.

Zu den besonders kostbaren Ausstattungsstücken des in altem Glanz erstrahlenden Paretzer Schlosses zählen die farbenprächtigen Tapeten mit Landschafts- und Tierdarstellungen, die mit finanzieller Unterstützung der Berliner Cornelsen-Kulturstiftung restauriert wurden. Die fragilen Wandbehänge waren in der Nachkriegszeit in Sanssouci sichergestellt worden, als die königliche Idylle samt benachbarten Gutsbauten eine geradezu brutale Umgestaltung über sich ergehen lassen musste. In Kiel und Stuttgart wurden die Tapeten gereinigt, geglättet, gefestigt und vorsichtig ergänzt. Die Schlösserstiftung will in den Räumen überdies originale Möbel aus Paretz und - passend zur Erbauungszeit - Stücke aus der Eisenkunstguss-Sammlung der Schlösserstiftung zeigen.

Obwohl das Schloss noch eine Baustelle ist, lohnt sich schon jetzt ein Besuch in Paretz, wo der traditionelle Kultursommer mit Konzerten, Vorträgen und Festgottesdiensten veranstaltet wird. Am 19. Juli gibt es in der Dorfkirche einen Konzertabend und Vortrag anlässlich des 191. Sterbetages der Königin Luise, am 25. Juli die Potsdamer Orchesterwoche unter anderem mit Kompositionen Friedrichs des Großen und am 25. Juli wird der vor einhundert Jahren verstorbenen Kaiserin Friedrich, geborene Prinzessin von England, mit einem Gottesdienst und Vorträgen gedacht.

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