Schloss Sanssouci : Eine Spur führt zum Förster

Weiter Rätselraten um die unverhofft wieder aufgetauchten Gemälde aus Schloss Sanssouci: Wie kamen die vermissten Kunstwerke nach West-Berlin?

Peter Tiede
Alte Pracht. Vor zwei Jahren wurde in der Bildergalerie von Sanccouci mit einer Ausstellung an die Rückgabe von Beutekunst durch die Sowjetunion vor 50 Jahren erinnert. Jetzt werden dort bald weitere wieder aufgetauchte Kriegsverluste hängen. Foto: Gartenschläger/dpa
Alte Pracht. Vor zwei Jahren wurde in der Bildergalerie von Sanccouci mit einer Ausstellung an die Rückgabe von Beutekunst durch...Foto: picture-alliance/ dpa

Potsdam - War es der Förster? Waren es russische Soldaten? Oder Landadlige, die kurz nach dem Krieg auf der Flucht gen West-Berlin die Depots des Schlosses Rheinsberg leerten? Nach Rheinsberg war ein Großteil der Kunstsammlungen aus den Preußischen Schlössern ausgelagert worden – auch aus Potsdam und Berlin. Die meisten Kunstwerke und Möbelstücke landeten bis Ende der vierziger Jahre in der Sowjetunion. Doch einige nachweislich einst in Rheinsberg eingelagerte Kunstwerke kamen nach West-Berlin.

Zumindest für ein Zehntel der als vermisst geltenden Gemälde aus der Bildergalerie des Schlosses Sanssouci wird sich ein Teil des Rätsels jetzt lösen lassen: Wie berichtet, stellt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an diesem Donnerstag zehn Gemälde vor, die aus den nach Rheinsberg ausgelagerten Sammlungen verschwunden waren und nun aus Privatbesitz über ein Berliner Auktionshaus wieder zurückkehren. Darunter sind ein Werk von Peter Paul Rubens, eine Rubens-Kopie, Werke des preußischen Hofmalers Antoine Pesne sowie von Jean Raoux. Bisher galten 99 Gemälde aus Sanssouci als verschwunden. Die Gemälde werden bis Oktober ausgestellt.

Für die meisten Kunstwerke, die im Vermisstenkatalog der Schlösserstiftung aufgezählt sind, gilt ein Forstmeister als der Letzte, der sie vor dem Verschwinden noch gesehen hat. Der Standardeintrag in den Listen des Katalogs und im Register für verschollene Kunst lautet: „Juli 1942 Schloss Rheinsberg, am 30. Juli 1945 dort vom Forstmeister Bartels noch festgestellt“. Der Forstmeister könnte eine Spur zu den wieder aufgetauchten Gemälden sein. Schon in einem anderen Fall galt er als Organisator von Kunsttransfers. Bartels, einst Beamter in der Generalverwaltung des Königshauses, soll nach dem Krieg laut Angaben aus Stiftungskreisen den Transport von Gemälden, die aus dem Schloss Königsberg nach Rheinsberg ausgelagert waren, nach West-Berlin organisiert haben. Auch aus Königsberg lagerten wichtige Bestände – darunter mehrere Rubens-Gemälde – in Rheinsberg. Bartels und andere Getreue sollen zumindest dafür gesorgt haben, dass einige Bilder wieder den Weg zu Angehörigen des einstigen Kaiserhauses fanden. Die Spur zum Forstmeister ist bislang die einzige, die von Rheinsberg nach West-Berlin führte, wo nun auch die zehn Gemälde aufgetaucht sind. Angeblich soll eine Berliner Familie die Kunstwerke einem Auktionshaus zum Verkauf angeboten haben. Dort sei man dann bei Routineüberprüfungen auf die Herkunft der Bilder gestoßen. Die Familie habe weder etwas vom Wert noch von der Herkunft der Bilder gewusst.

Denkbar sei auch, heißt es aus Kunstsammlerkreisen, dass die Werke von russischen Soldaten bei Deutschen eingetauscht wurden oder dass Berliner, die sich bei Kriegsende aufs Land geflüchtet hatten, die Bilder in Rheinsberg stahlen. Häufig seien solche Werke auf dem Schwarzmarkt getauscht worden. Ausgeschlossen hat die Stiftung, dass die Bilder zu DDR-Zeiten nach West-Berlin verkauft worden sind.

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