Der Tagesspiegel : „Schloss Sanssouci wird keine Werbekulisse“

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Der Potsdamer Kulturhistoriker und Denkmalpfleger Hartmut Dorgerloh wird neuer Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg. Der Referatsleiter für Denkmalpflege im Brandenburger Kulturministerium wurde gestern vom Stiftungsrat in dieses Amt berufen, das durch den vorzeitigen Ruhestand des langjährigen Generaldirektors Hans-Joachim Giersberg vakant wurde. Im Tagesspiegel-Interview äußert sich Dorgerloh, Jahrgang 1962, erstmals darüber, wie er die ehrwürdige Stiftung modernisieren will.

Wo steht die Preußische Schlösserstiftung nach der Ära Giersberg?

Ich trete kein schwieriges Erbe an, die Stiftung steht nicht vor einem grundlegenden Neuanfang. Man spricht ja mit Recht von einer Ära Giersberg: Sie war gekennzeichnet durch die Wiedervereinigung der Berliner und der Brandenburger Schlösserverwaltung, durch die Rückführung und Öffnung von Schlössern wie Rheinsberg, Caputh oder Königs Wusterhausen, durch ein großes Restaurierungsprogramm. Das Geleistete muss jedoch weitergeführt und ausgebaut werden. Insofern beginnt schon eine neue Phase.

Wo wollen Sie „ihre eigenen Bahnen“ ziehen, wie es Giersberg formulierte?

Es ist notwendig, die inneren Strukturen weiter zu reformieren: Damit die Stiftung in der Lage ist, trotz geringer finanzieller und personeller Spielräume ihre großen Aufgaben wahrzunehmen. Gemeint sind noch bessere interne Abläufe, bessere Arbeitsbedingungen etwa für Fotostelle, Dokumentation, Restaurierungswerkstätten. In der Außenwirkung möchte ich die Stiftung zum einen stärker national, aber auch international ausrichten. Zum anderen, dass beim Marketing und Service noch mehr auf die Bedürfnisse der Besucher eingegangen wird. Sie sollen sich wohlfühlen, wiederkommen und für die Schloss- und Parkanlagen werben.

Das hat die Stiftung sträflich vernachlässsigt.

Man sollte nicht zu streng sein. Die Sanierung der Museumsschlösser musste Priorität haben. Es nützt nichts, wenn der Museums-Shop glänzt, das Schloss dahinter aber zusammenfällt.

Nach Einschätzung von Bauexperten sind nur zehn Prozent der 300 Objekte in einwandfreier Verfassung. Wie weiter, bei absehbar knapperen Kassen?

Für die größten Vorhaben – die Restaurierung von Schloss Charlottenburg, dem Neuen Palais und Schloss Babelsberg – werden die konkreten Planungen bald vorliegen: Dann wird Klarheit herrschen, was wann angepackt werden kann. Über den Fahrplan werden wir mit den Stiftern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund verhandeln. Ich denke aber auch, dass sich im internationalen Rahmen weitere Sponsoren und Mäzene finden lassen. Man muss sich darauf einstellen, dass langer Atem nötig ist.

Wie präsentiert man Sanssouci der MTV-Generation?

Indem man zeigt, dass es neben virtuellen Welten auch das Original gibt. Eine Welt, die sinnlich erlebt, durch kein virtuelles Bild ersetzt werden kann. Indem man zeigt, dass es nicht nur um „olle Könige“ geht, sondern um Auseinandersetzungen mit Geschichte, die auch für heutige Fragen interessant ist: Aufklärung und Toleranz kann man in Sanssouci ganz undogmatisch vermitteln.

Droht Sanssouci unter dem Diktat knapper Kassen, die „Popularisierung“ und Kommerzialisierung?

Zunächst: Ich hoffe, dass die Museumsschlösser populär sind und noch populärer werden. Es gibt Schlösser, für die man sich gerne mehr Besucher wünscht. Mein Hauptziel ist es aber, das Erbe der Schlösser und Gärten in einen besseren Zustand zu bringen. Ich sehe mich zuerst als Treuhänder für die Nachwelt. Eine Vermarktung von Sanssouci und anderen Museumsschlössern auf Kosten der Substanz muss niemand befürchten.

Keine Preußen-Schlösser als Werbe-Kulisse für Automarken?

Dass die Schlösser als reine Kulisse zur Präsentation von Produkten missbraucht werden, ist für mich nicht vorstellbar. Es gibt klare Regularien, was möglich ist und was nicht. Die haben sich bewährt. Wie flexibel sie angewendet werden können, muss im Einzelfall gesehen werden. Trotzdem kann man kommerzielle Aktivitäten sinnvoll mit Interessen der Stiftung verknüpfen. Da gibt es aber kreativere Wege, als vor der Fassade des Schlosses X das Automodell Y zu stellen.

Sollte man nicht Tabus brechen und Eintritt für den Schlosspark Sanssouci erheben?

Die Parks waren zu allen Zeiten ohne Eintritt zugänglich. Es gibt eine Bringepflicht der Stiftung gegenüber dem Steuerzahler. Hinzu kommt, dass der Akzeptanzverlust größer wäre als der fragliche finanzielle Effekt.

Auch die Politik als Hauptfinanzier hat in der Hauptstadtregion wachsende Begehrlichkeiten, die Anlagen als Repräsentationskulisse zu nutzen. Bleibt es bei der bisherigen Linie, keine Staatsempfänge im Schloss Sanssouci?

Ja, ich habe eine klare Position: Es gibt bindende Vergaberichtlinien des Stiftungsrates, die das ausschließen. Diese haben sich bewährt. Es gibt keinen Anlass, diese zu verändern. Wenn es Ausnahmen geben sollte, müsste das der Stiftungsratsvorsitzende im Einzelfall entscheiden.

Wie weiter mit der Schlössernacht, die, obwohl Publikumsmagnet in wirtschaftliche Turbulenzen geriet?

Die Schlössernacht braucht eine langfristige Perspektive. Sie wird neu ausgeschrieben. Über das Konzept muss genauer nachgedacht werden: Es kann nicht sein, dass die Veranstaltung zu einer wirtschaftliche Belastung für Betreiber, Stiftung und Stadt wird – sie muss sich selbst tragen.

Was umtreibt den neuen Hüter von Sanssouci am meisten?

Wie es gelingen kann, aus der Motivation der vielen klugen Mitarbeiter eine Brücke zum Gesamtziel der Stiftung zu bauen.

Das Interview führte Thorsten Metzner

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