Schloss Stülpe : Alles so schön russisch hier

Auf Schloss Stülpe nahe Luckenwalde wird ein Film über Leo Tolstoi gedreht. Mit Helen Mirren, dutzenden Komparsen und dressierten Hühnern.

Andreas Wilhelm

Stülpe - Der Satz, den das Ehepaar Rupilius am häufigsten gehört hat in letzter Zeit, war: „Ganz schön russisch hier.“ Kein Wunder: Der Kinofilm „The last Station“, für den die Besitzer von Schloss Stülpe ihr Gut als Kulisse zur Verfügung stellen, erzählt das letzte Lebensjahr des berühmten russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Und so ist das Anwesen im tiefsten Brandenburgischen, in der Nähe von Luckenwalde, zu einem Ort geworden, der eigentlich in den Westen Russlands gehört, Jasnaja Poljana heißt und außerdem das Ambiente des Jahres 1910 vermitteln muss.

„Unsere Location-Scouts haben lange gesucht“, sagt Produzent Jens Meurer. Über 150 Orte in der Region habe man sich angeschaut. In Stülpe habe es dann am besten gepasst. „Wir können wirklich viele wichtige Szenen hier an einem Ort drehen“, schwärmt Meurer, der auch die Budget-Grenze von 13 Millionen Euro immer im Hinterkopf hat. In Amerika hätte der Streifen, der im Herbst 2010 in die Kinos kommen soll, das Dreifache gekostet, ist er überzeugt. Unter anderem, weil man dort alles im Studio hätte nachbauen müssen. Auch die Stars sind nicht ganz billig: Der Kanadier Christopher Plummer spielt Tolstoi, Helen Mirren, für die „Queen“ mit einem Oscar prämiert, stellt seine leidgeprüfte Gattin dar. Auch die Ausstatterin Patrizia von Brandenstein hat schon einen Oscar bekommen: 1985 für ihre Arbeit in „Amadeus“. Auch sie sei „ganz ganz begeistert gewesen von dem brandenburgischen Dorf“, sagt Meurer – nicht zuletzt, weil dort doch relativ wenig verändert werden musste, um aus Stülpe Jasnaja Polnaja zu machen. Aus Sicht der Produzenten jedenfalls.

Schlossherrin Barbara Rupilius sieht das allerdings etwas anders. Seit sich zu Weihnachten das Filmteam eingenistet hat, wurden Bilder ab- und aufgehängt, Kabel verlegt, Pflanzen versetzt, meterweise künstlicher Efeu aufgehängt, Holzzäune und Gittertore demontiert und Kamera-Schienen verlegt. Ihr Schloss ist gerade nicht mehr ganz das, was es mal war. Sogar einen Balkon an der Fassade zum Park hinaus gibt es jetzt. Der bleibt aber nicht dran – er ist aus Styropor. Anstrengend seien die Dreharbeiten gewesen, sagt Barbara Rupilius zurückblickend. Weil die Crew den Platz brauchte, musste sie anfangs mit ihrem Mann und drei Katzen in einer kleinen Kammer wohnen. „Täglich hundert Komparsen und Techniker auf dem Gelände“, sagt Barbara Rupilius. Hinzu kamen Dutzende dressierte Tiere, die auf dem Hof gackerten, krähten und meckerten. Manchmal sei bis fünf Uhr früh gedreht worden. „Ich habe dann auch nicht geschlafen.“

In den nächsten Tagen aber reisen die Filmemacher ab, und Barbara Rupilius denkt doch ganz gern an die Dreharbeiten zurück. Sie hofft, dass Stülpe ein bisschen bekannter wird und mehr Gäste kommen. „Ich freue mich, wenn ich für die Region etwas tun kann.“ Dabei ist der Ortsteil der Großgemeinde Nuthe-Urstromtal gar nicht so unbekannt – zumindest unter Filmschaffenden, wie Ortsbürgermeister Frank Vogel sagt. 1968 sah man Stülpe in der DDR-Fernsehserie „Wege übers Land“. Und Franka Potente hat dort im Jahr 2006 ihr Regiedebüt mit „Der die Tollkirsche ausgräbt“ gedreht.

Mit der Entschädigung von der Produktionsfirma kann Familie Rupilius nun wieder ein paar historische Türen für ihr Schloss und das Nebengebäude aufarbeiten lassen, wo künftig Gäste-Appartements vermietet werden soll. Das Filmteam wird in Sachsen-Anhalt an einem Bahnhof weiterdrehen. Dort, wo Tolstoi auch seine letzten Tage verbracht hat, nachdem er auf dramatische Weise vor seiner Frau, Erbschleichern und einer Schar Journalisten geflohen ist. „Es wird ein Film, wo die Fetzen fliegen“, verrät Produzent Jens Meurer. Sofia, die Frau des Schriftstellers, wird sich noch in einen Teich auf dem Landsitz der Tolstois stürzen. Helen Mirren, so sie selbst springt, wird allerdings in Gottow nass, acht Kilometer von Stülpe entfernt.

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