Der Tagesspiegel : Schlossaufbau: Erster Spatenstich für Fortunaportal

Thorsten Metzner

Potsdam erhält ein altes Wahrzeichen zurück: 55 Jahre nach der Bombardierung des Potsdamer Stadtschlosses hat der Wiederaufbau der historischen Mitte in der Landeshauptstadt begonnen. Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) und Mitinitiator Günther Jauch vollzogen am Freitag den ersten Spatenstich zur originalgetreuen Wiedererrichtung des Fortunaportals - einst Prachteingang des früheren Knobbelsdorffschen Stadtschlosses auf dem Alten Markt. "Es ist der Startschuss für den Schlossaufbau, für den es mit dem Fortunaportal eine Sogwirkung geben wird", sagte Jauch, auf dessen Initiative die deutsche Zementindustrie 7 Millionen Mark für die Rekonstruktion des vor dreihundert Jahren errichteten Schlossportals zur Verfügung stellt. Stolpes Staatskanzleichef Rainer Speer hob hervor, dass in Potsdams Mitte die "Pflöcke" für den Aufbau des Stadtschlosses "schneller eingeschlagen werden als in der großen Nachbarstadt Berlin."



Vor 41 Jahren war das in den letzten Kriegstagen zerstörte Potsdamer Stadtschloss auf SED-Geheiß gesprengt worden, obwohl es laut einem Gutachten des DDR-Instituts für Denkmalpflege hätte aufgebaut werden können. Unter den achthundert Potsdamern und Gästen, die sich zu dem symbolträchtigen ersten Spatenstich für den Wiederaufbau auf dem Alten Markt eingefunden hatten, war auch eine aus München angereiste alte Dame: Christel von Steinau-Steinrück, die Urururur-Enkelin des holländischen Architekten Jean de Boldt, der 1701 - im Geburtsjahr Preußens - das Fortunaportal entworfen hatte. Dass es wieder aufgebaut würde, so Frau von Steinau-Steinrück, "hätte ich mir nie träumen lassen."

Oberbürgermeister Matthias Platzeck - entschiedener Befürworter des Schlossaufbaus - sprach von einem wichtigen Schritt zur Wiedergwinnung der Stadtmitte, die verlorene Identität stiften werde. Potsdam werde nicht nur ein Wahrzeichen wiederbekommen, sondern ein lebendiges urbanes Zentrum. Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen soll das auf den Originalfundamenten von 1701 geplante Fortunaportal denkmalgerecht in traditioneller Sandsteinbauweise bis zum Jahr 2002/2003 in alter Pracht erstrahlen. Der Haupteingang des einstigen Stadtschlosses galt als eines der bedeutendsten Denkmäler der europäischen Architekturgeschichte. Rechtsanwalt Michael Schöne, Vorsitzender des Fördervereins für Portal und Schloss, verkündete, dass mit einem englischen Internet-Unternehmen ein weiterer Groß-Sponsor für das Schlossportal gefunden sei, der eins der beiden Torhäuser wiedererrichten wolle. Erwartet werde eine Spende in Millionenhöhe.

Dagegen übte Jürgen Kuno, Chef des Landesamtes für Ur- und Frühgeschichte, verhaltene Kritik. Er sei in "großer Sorge", dass ausgerechnet im Zuge des Wiederaufbaus die noch erhaltenen authentischen Grundmauern des Schlosses auf dem Alten Markt zerstört werden können. Der Potsdamer Architekt Christian Wendland, der wegen Widerstands gegen den Schlossabriss zu DDR-Zeiten im Gefängnis saß und die Machbarkeitsstudie für den Aufbau des Fortunaportals erarbeitet hat, mahnte eine hohe baukünstlerische Qualität beim Aufbau von Fortunaportal und Schloss an, die sich an den Vorlagen Knobelsdorffs und de Boldts messen müsse. In Kürze soll auch der Zuschlag für die Erstellung der Machbarkeitsstudie für den Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses fallen, für die sich 40 Büros und Consultinfirmen aus aller Welt beworben hatten, wie Bernd Cronjaeger, Geschäftsführer des zuständigen Sanierungsträgers sagte: "Das Interesse war immens: Es läuft auf einen der Global Player hinaus."

Kritik übte der Potsdamer PDS-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, dass beim Startschuss für den Bau des Fortunaportals - den die PDS unterstützt - offiziell für den Aufbau des Turms der symbolbeladenen Garnisonkriche geworben wurde. Staatskanzleichef Rainer Speer hatte sich zuvor für den Aufbau des Turms der Garnisonkirche ausgesprochen, der auch "zur Wiedergewinnung der Potsdamer Identität" nötig sei. Speer wandte sich gegen das "Gerede von Restauration und Rückwärtsgewandtheit", das fehl am Platze sei: Potsdam sei eine Stadt des freien Diskurses.

Max Klaar, Vorsitzender des Fördervereins für die Garnisonkirche, beobachtet jedenfalls einem "richtigen Schub" bei der Wiedergewinnung alter Wahrzeichen Potsdams. Vielleicht gelinge es doch noch, bereits zur Bundesgartenschau im Jahr 2001 den Grundstein für das Turmprojekt zu legen. Der Verein habe im Rathaus jetzt den Stufenplan für den Aufbau eingereicht, der 20 Millionen Mark kosten wird. Wenn zehn Millionen Mark gesammelt sind, könnte laut Klaar mit dem Bau begonnen werden.

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