Schmiergeldaffäre : Durchsuchungen bei Ex-Finanzvorstand von Siemens

Ein weiterer ehemaliger Topmanager von Siemens ist ins Visier der Staatsanwaltschaft wegen Zahlungen an die AUB geraten: Die Behörde durchsuchte vergangene Woche seine Privaträume. Seinen Vertrag hatte er vorzeitig aufgelöst, um sich eine Auszeit zu gönnen.

Siemens
Die Skandalmeldungen über den Münchner Konzern Siemens reißen nicht ab. -Foto: ddp

München/NürnbergIn der Affäre um verdeckte Zahlungen des Siemens-Konzerns zugunsten der konzernfreundlichen Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) beschuldigt die Nürnberger Staatsanwaltschaft laut Zeitungsberichten einen weiteren langjährigen Topmanager aus dem engsten Umfeld des früheren Unternehmenschefs Heinrich von Pierer. Unter Berufung auf Justizkreise schreibt das "Handelsblatt", am Mittwoch vergangener Woche habe die Anklagebehörde die Privaträume des früheren Siemens-Finanzchefs Heinz-Joachim Neubürger durchsuchen lassen. In der "Süddeutschen Zeitung" heißt es, Neubürgers Anwalt Eberhard Wahle habe sowohl die neuen Ermittlungen als auch die Durchsuchungen bestätigt.

Verdacht der Untreue

Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht der Untreue wegen Millionenzahlungen an den ehemaligen AUB-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky, der damit die Arbeit der Siemens wohlgesonnenen Organisation als Gegengewicht zur Industriegewerkschaft Metall finanziert haben soll. Die Justiz ermittelt in dieser Sache bereits gegen den freigestellten Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer, der Ende März kurzzeitig in Untersuchungshaft war. Schelsky sitzt seit Februar in Untersuchungshaft.

Der 54-jährige Neubürger gehörte den Angaben zufolge von 1998 bis April 2006 dem Zentralvorstand des Technologiekonzerns an. Seinen noch bis September 2007 laufenden Vertrag löste er demnach vorzeitig auf - offiziell mit der Begründung, er wolle eine Auszeit nehmen und sich beruflich neu orientieren. Damals hieß es, Neubürger, der lange Zeit als möglicher Nachfolger des bis 2005 amtierenden von Pierer gehandelt wurde, werde Siemens als Berater verbunden bleiben. Mittlerweile hat Neubürger einen Direktorenposten beim Private-Equity-Riesen KKR übernommen. (mit AFP)