Schmiergeldaffäre : Siemens: Kopflos im Kampf gegen die Korruption

Der Chef der Antikorruptions-Abteilung muss schon nach kurzer Zeit seinen Posten wieder räumen. Der frühere Staatsanwalt konnte sich im Großkonzern Siemens nur schwer zurechtfinden, außerdem reichten seine Englischkenntnisse nicht aus.

Der gerade erst berufene Chef der Antikorruptions-Abteilung bei Siemens, Daniel Noa, muss gehen, weil die Konzernführung von ihm enttäuscht ist. "In seiner kurzen Amtszeit ist einiges schief gelaufen", sagte ein Siemens-Aufsichtsrat dem Tagesspiegel. Der frühere Staatsanwalt habe erhebliche Schwierigkeiten gehabt, sich in den hierarchischen Strukturen eines Großkonzerns wie Siemens zurechtzufinden. Zudem reichten seine Englischkenntnisse nicht aus, um die komplexen Sachverhalte der Korruptionsaffäre zu bewältigen, sagte der Aufsichtsrat. Dagegen habe der von Siemens engagierte Ex-Watergate-Ermittler Michael Hershman das in den vergangenen Monaten entwickelte umfassende Compliance-Programms entscheidend vorangetrieben.

Noa hatte erst im Januar bei Siemens angefangen und muss seinen Posten zum 1. Juli räumen. Nach Angaben des Aufsichtsrats will der Prüfungsausschuss von Siemens, der die Aufklärung der Korruptionsaffäre steuert, schon bei seiner nächsten Sitzung Mitte Juli über einen Nachfolger für Noa entscheiden. Es gebe noch keine Kandidatenliste. Am ehesten komme aber ein renommierter Jurist mit internationaler Compliance-Erfahrung in Betracht. (tsp)