Der Tagesspiegel : Schmökels brutales Geständnis

Aussagen zum Rentner-Mord: Ich wollte ihn nicht töten, ich wollte seine Enkelin missbrauchen

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. „Ich wollte das Mädchen schlagen, bis es wimmert und mich anfleht, und es dann missbrauchen.“

Für einen Moment herrschte Totenstille im Neuruppiner Gerichtssaal. Frank Schmökel, wegen Mordes und dreifachen versuchten Totschlages angeklagt, ließ von seinen Anwälten eine Erklärung voller erschütternder Details verlesen. Darin schilderte er das Geschehen am 2. November 2000 in der Strausberger Datschensiedlung Postbruch in einer ganz neuen Variante. „Ich wollte nicht den alten Mann töten, um sein Auto zu klauen. Ich dachte, auf der Liege befindet sich seine junge Enkeltochter. Plötzlich stand der Mann vor mir, da habe ich mit dem Spaten mehrfach zugeschlagen“, sagte Schmökel in der anschließenden Befragung. So kräftig, dass der Spaten zerbrach. Schwer verletzt ließ der Angeklagte den Mann liegen und flüchtete mit dessen Auto nach Sachsen. Johannes Berger, dessen Witwe sich in dem Prozess als Nebenklägerin vertreten lässt, verblutete.

Bisher hatte Schmökel immer behauptet, auf den Rentner wegen dessen Auto eingeschlagen zu haben. Sieben Tage vor der Tat war der damals wegen Vergewaltigung im Maßregelvollzug einsitzende Mann bei einem Ausflug zu seiner Mutter in Strausberg seinen Pflegern entwischt. Er stach auf die Pfleger und seine Mutter ein und floh. „In der Siedlung Postbruch versteckte ich mich in einer Laube und beobachtete auf dem Nachbargrundstück ein älteres Ehepaar mit ihrer Enkeltochter“, sagte Schmökel. „Als ich das Mädchen sah, wuchs der Wunsch, mit ihr ähnlich wie mit Christine zu verfahren.“ Das Mädchen hatte er 1994 während einer Flucht missbraucht und so gewürgt, dass sie den Angriff nur knapp überlebte. „Eines Tages hörte ich ein Motorengeräusch. Ich dachte, das Ehepaar ist weggefahren und die Enkelin liegt im Garten. Da bin ich mit dem Spaten los.“ Wie sein Verteidiger mitteilte, war das Mädchen etwa zwölf Jahre. Auf die Frage, warum er erst jetzt mit den neuen Umständen der Tat herausrücke, antwortete Schmökel: „Ich möchte kein Sexualstraftäter sein.“ Deshalb habe er es bei der Variante mit dem Auto-Klau belassen. Die Flucht beim Hausbesuch bei seiner Mutter war nicht geplant, sagte Schmökel. Es sei beim Kaffeetrinken zunächst harmonisch zugegangen. „Erst beim Blick auf das Bett im Schlafzimmer musste ich an die Prügel und die sexuellen Handlungen denken, zu denen mich meine Mutter als Kind gezwungen hatte.“ Als sich die Mutter auch noch abfällig über Schmökels zwölfjährige Tochter äußerte, „sah ich rot", sagte der Angeklagte. „Ich gehe jetzt ins Zimmer und bringe die Alte um, dachte ich damals.“

Das ganze Leben, die ganzen Ereignisse, der ganze Hass seien „hoch gekommen“. Er habe zu einem Küchenmesser gegriffen und zuerst auf den Pfleger eingestochen. Seine Mutter habe er damit strafen wollen. „Es war eine Art Rache. Sie sollte sehen, was ich mache.“ Erst als seine Mutter ihm in den Arm fallen wollte, stach er auch auf sie ein. „Ich wollte, dass sie endlich die Schnauze hält“, sagte Schmökel. Dann habe er plötzlich „vor den ganzen alten Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit“ weglaufen wollen. Wie spontan dieser Entschluss gefallen sei, zeige sich an einem Detail. Er habe die Zigaretten liegen gelassen. „Daran denkt ein Raucher bei einer Flucht doch zuerst“, sagte der Angeklagte. Außerdem habe er schon vor dem Kaffeetrinken fliehen können – „ohne Gewalt“.

Frank Schmökel stellte sich mehrfach vor dem Gericht als gestörte Persönlichkeit dar. „Die Wurzeln meiner Krankheit liegen in der Kindheit und in der Jugendzeit“, formulierte er. Die Therapien im Maßregelvollzug, wo er seit 1993 seine Zeit verbringe, hätten nichts gebracht. „Ich bin geflüchtet, weil ich das Gefühl hatte, nicht richtig behandelt zu werden.“ Mehrmals habe er eine Verlegung aus Brandenburg nach Berlin beantragt. Aber das sei immer abgelehnt worden.

Nur auf Nachfrage der Richterin äußerte Schmökel Ansätze eines Bedauerns für seine Taten. „Der Angriff auf meine Mutter hat mir nur einen kurz Augenblick leid getan.“ Mehr ärgere er sich über die Attacke gegen den Pfleger, der im Maßregelvollzug sein „väterlicher Freund“ gewesen sei. Ob er tatsächlich für den Tod des Rentners in der Strausberger Siedlung Postbruch verantwortlich sei, bezweifle er. Auf Zeitungsfotos vom Tatort habe er neben der Leiche einen Gartenstuhl gesehen, der zu „seiner Zeit“ nicht dort stand. Außerdem erinnerte er an die Angabe seines Psychologen Michael Brand, der in der Tatnacht einen anonymen Anruf mit der Aussage „Schmökel war’s nicht“ erhalten hatte. Als Tatwaffe kommt nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sowohl ein Spaten als auch ein Eisengartenstuhl in Frage.

„Erheblichen Klärungsbedarf“ sieht Verteidiger Matthias Schöneburg auch beim Hergang der Festnahme am 7. November in der Nähe von Bautzen. Laut Schmökel haben ihn zwei Polizisten in einer Gartenlaube überwältigt, ihn auf den Bauch gelegt und die Hände auf den Rücken gefesselt. Ein Beamter habe auf ihm gekniet und in den Rücken geschossen, während ihn der andere mit einer Maschinenpistole in Schach hielt. Einer der an der Festnahme beteiligten Polizisten schilderte das anders. Er habe auf ihm gekniet, sich aber bedroht gefühlt, weil sich Schmökel plötzlich mit einem Messer in der Hand umdrehen wollte. Deshalb sei der Schuss gefallen. Schmökel überlebte schwer verletzt.

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