Der Tagesspiegel : Schmökels Pfleger belastetTherapeuten

Angeklagter war „sehr gefährlich“

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Im Prozess gegen den Schwerverbrecher Frank Schmökel wurde am Dienstag als Zeuge Oberpfleger Klaus Stroske gehört. Stroske leitete zum Zeitpunkt von Schmökels Flucht aus dem Maßregelvollzug der Klinik Neuruppin den Pflegedienst. Er sagte aus, dass Schmökel niemals Ausgang hätte gewährt werden dürfen: „Ich habe immer vor dem intelligenten Patienten gewarnt und ihn für sehr gefährlich gehalten", sagte Stroske, der den Angeklagten als Oberpfleger jahrelang betreute. Die Therapeuten und Chefärzte hätten ihm jedoch nicht geglaubt. So habe er gegen die Genehmigung eines Hausbesuches von Schmökel zuerst sein Veto eingelegt, sagte der inzwischen im Ruhestand befindliche Mann. Doch während seines Urlaubs sei die „verhängnisvolle Entscheidung“ für einen begleiteten Hausbesuch erteilt worden. „Da konnte ich gegen die Therapeuten und Ärzte nichts mehr ausrichten“, sagte Stroske. Schmökel, der sich neuerdings in der Verhandlung immer öfter zu Wort meldet, widersprach dem Oberpfleger. Der müsse ihn wohl verwechseln. Denn wäre er wirklich als gefährlich eingestuft gewesen, wäre er wohl kaum in der Buchbinderei beschäftigt worden. „Da hatte ich mit Messern, Skalpell, Feile und Meißel zu tun und war mit der Arbeitstherapeutin auch zeitweise allein“, sagte Schmökel.

Zunächst war es am fünften Prozesstag um die Verletzten gegangen, die Schmökel bei seiner Flucht vor zwei Jahren in Strausberg zurückgelassen hatte: Mit zwei tiefen Messerstichen in der Brust, zwei im Rücken und zwei im Lendenbereich überlebte der Pfleger Manfred Schäfer die Attacke Schmökels nur knapp. Gerichtsmediziner Jürgen Becker sagte aus, es grenze „an ein Wunder, dass die anschließende Behandlungskette so gut funktionierte“. Er hatte den schwer verletzten und blutenden Pfleger nach der Tat begutachtet. „Das schnelle Eingreifen des alarmierten Notarztes und die Behandlung im Marzahner Unfallkrankenhaus haben den massiven Blutverlust stoppen können.“

Schmökel war am 25. Oktober 2000 von Ärzten und Therapeuten ein begleiteter Freigang aus dem Maßregelvollzug erlaubt worden. Diesen Besuch bei seiner Mutter in Strausberg nutzte er zur Flucht, wobei er zwei Pfleger und seine Mutter verletzte. Sieben Tage später schlug er in einer Datschensiedlung einen Rentner nieder, der an den Folgen starb.

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