Der Tagesspiegel : Schnellboot

Gorki Theater: Jan Bosse wird Hausregisseur

Christine Wahl

Das Maxim-Gorki-Theater Berlin hat einen neuen Hausregisseur. Jan Bosse, strahlte Intendant Armin Petras gestern auf der Spielzeit-Pressekonferenz seines Hauses mit berechtigtem Stolz, wird sich ab Herbst 2007 in dieser Funktion ans kleinste Schauspielhaus der Stadt binden. Eine gute Entscheidung der GorkiLeitung: Bosse, der dieses Jahr mit gleich zwei Inszenierungen – darunter „Die Leiden des jungen Werthers“ vom Maxim-Gorki-Theater – zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, traut man in der Tat zu, die am Haus so dringend erforderliche zweite Regiehandschrift neben Petras zu entwickeln. Er habe sich – so Bosse, der jüngst am Wiener Burgtheater triumphierte – für „das kleinere, wendigere, auch ärmere Schnellboot“ entschieden, weil er dort „inhaltlicher und konzentrierter“ arbeiten könne als an manch „großem Dampfer“.

Zwei Inszenierungen wird Bosse, der als Hausregisseur künftig auch in Leitungsentscheidungen eingebunden ist, pro Saison am Gorki herausbringen: Am 22. September hat Kleists „Amphitryon“mit Hans Löw Premiere, im April 2008 folgt eine Bühnenadaption von Lew Tolstois Roman „Anna Karenina“ mit Fritzi Haberlandt. Der bisherige Hausregisseur Peter Kastenmüller gibt seine Funktion, so Petras, auf eigenen Wunsch auf. Neu ans Gorki kommen neben Bosse hingegen die jungen Schauspieler Julischka Eichel – Trägerin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises 2007 – sowie Wanda Perdelwitz und Max Simonischek.

Weitsicht auch jenseits der Personalentscheidungen: Auf die Sturm- und Drang-Phase mit sage und schreibe 42 Premieren in dieser ersten Petras-Saison, in der es galt, ein komplett neues Repertoire zu erspielen, folgt jetzt eine Konsolidierungsphase. 19 Premieren auf der Großen Bühne und im Studio sind angekündigt; gruppiert in vierteljährlich wechselnden Themenschwerpunkten wie „Berlin“, „Klima“ oder „Alt – Die Jugend von gestern“. Regisseure wie Barbara Weber, Jorinde Dröse oder Stefan Pucher werden neu am Gorki inszenieren; ein Wiedersehen gibt es unter anderem mit Jan Jochymski oder Tilmann Köhler, der für die große Bühne „Hamlet“ einrichtet. Christine Wahl