Der Tagesspiegel : Schneller nach Polen

Die Bahnverbindung nach Stettin soll ausgebaut werden

Klaus Kurpjuweit

Angermünde. Die Chancen für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Angermünde und Stettin stehen gut. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) sagte am Donnerstag, dass auf dieser Strecke noch eine „schlimme Lücke“ auf Brandenburger und polnischem Gebiet im europäischen Eisenbahnnetz sei. Nun soll ein Gutachten klären, ob sich der Ausbau lohnt.

Obwohl Polen am 1. Mai 2004 der EU beitreten wird, sind die meisten Bahnverbindungen von Brandenburg ins Nachbarland noch immer in einem desolaten Zustand. Selbst an der Hauptverbindung von Berlin über Frankfurt (Oder) Richtung Warschau wird seit Jahren nur zögerlich gebaut. Mit einem Abschluss der Arbeiten rechnen die Planer nicht vor 2008. Erst nach zähen Verhandlungen, die sich zehn Jahre lang hinzogen, hatten Deutschland und Polen vereinbart, diese Strecke für Tempo 160 auszubauen. Vorher floss deshalb nur wenig Geld. Die vor langem begonnenen Arbeiten dümpelten seit Jahren vor sich hin.

Bei der Verbindung nach Stettin wollen Brandenburg und Berlin jetzt aber Tempo machen. Die Verbindung sei eine „europäische Pflicht“, sagte Stolpe am Donnerstag. Politische Unterstützung gab es gestern reichlich. Am Donnerstag wurde im Berliner Bahnhof Friedrichstraße eine Ausstellung über die Bahnverbindung Berlin – Stettin eröffnet, die seit 160 Jahren besteht. Außer Stolpe kamen auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und der Berliner Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) in die Friedrichstraße. Dort empfingen sie eine Abordnung aus Stettin, die für den Ausbau der Strecke Unterstützung aus Deutschland benötigt. Denn in Polen konzentriert man sich lieber auf die eigenen Nord-Süd-Verbindungen.

In Brandenburg und Berlin hofft man dagegen, dass die vergrößerte EU wirtschaftlichen Aufschwung in das Gebiet um Stettin bringt. Berlin ist nur 90 Kilometer von Stettin entfernt. Bis Warschau müssen die Stettiner 450 Kilometer zurücklegen.

Auf der Strecke Berlin –Stettin müssten nur wenige Kilometer aufwändig ausgebaut werden. In Deutschland endet die zweigleisige elektrifizierte Strecke 30 Kilometer vor der Grenze. Danach geht es auf einem Gleis weiter. Und von der Grenze bis Stettin sind es nur noch 14 Kilometer. Nach einem Ausbau für Tempo 160 könnte sich die Fahrtzeit von zwei Stunden auf etwa 90 Minuten verringern. Doch konkurrenzlos würde die Bahn nicht bleiben. Stolpe will parallel dazu auch die Autobahn- und Schifffahrtsverbindungen verbessern.

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