Der Tagesspiegel : Schönbohm dementiert Schwächeanfall: Der Minister soll "richtig ausspannen"

Michael Mara

Richtig abschalten kann CDU Parteichef, Vize-Ministerpräsident und Innenminister Jörg Schönbohm auch im "ärztlich verordneten" Urlaub nicht: Per Handy kommuniziert der Workaholic mit seinem Ministerium, mit dem Parteisprecher, mit Journalisten. Auch mit Regierungschef Manfred Stolpe habe er "ganz engen Kontakt". Die Meldung, dass er letzte Woche einen "Schwächeanfall" erlitten habe, dementiert er allerdings energisch: "Ich hatte defintiv keinen Schwächeanfall." Doch bestreitet der 63-jährige Ex-General nicht, dass ihm die Ärzte im Berliner Bundeswehrkrankenhaus nach einer Routineuntersuchung geraten hätten, "richtig auszuspannen".

Zu den Untersuchungs-Ergebnissen will sich Schönbohm nicht äußern, immerhin hat er den Rat der Ärzte angenommen. Eigentlich wollte er seinen Urlaub in Brandenburg verbringen und bei Reisen durchs Land wie üblich politische Termine wahrnehmen. Nun muss er sich bis zum Brandenburg-Tag in Frankfurt (Oder) am 3. September in Bayern mit Wandern und Tennisspielen begnügen. Spekulationen, dass er sich ähnlich wie Finanzministerin Wilma Simon aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückziehen könnte, weist er weit von sich: "Man kann und muss mit mir politisch rechnen, solange ich das will. Und ich will." Schönbohm hat unverändert vor, 2004 als dann 67-jähriger für seine Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf zu ziehen, egal ob gegen Stolpe oder Platzeck.

Allerdings wächst bei Christdemokraten die Sorge, dass sich der umtriebige Politiker "durch seine Mehrfachfunktionen zerreißen könnte", so CDU-Fraktionschefin Beate Blechinger. Andere wie Generalsekreär Lunacek und auch sie selbst müssten Schönbohm zumindest auf der Parteiebene "stärker entlasten". Das Problem sei nur, so Blechinger, dass "alle Schönbohm wollen und er nicht Nein sagen kann". Der CDU-Landesvorstand hat bereits vor der Sommerpause über eine Entlastung Schönbohms debattiert.

Selbst Christdemokraten geben zu, dass die märkische Union im Grunde Schönbohms "One-man-Show" sei, was aber auch an diesem selbst liege. Andere meinen, dass Stolpe einen Kronprinzen habe, Schönbohm hingegen nicht. Gleichwohl will der CDUrChef nach den Ferien Druck machen, um die Parteiarbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Dass es ähnlich wie bei der SPD auch in der Union zu einer Nachfolger-Debatte kommen könnte, wird intern nicht mehr ausgeschlossen.

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