Der Tagesspiegel : Schönbohms Allzweckwaffe

Ulrich Junghanns trauen viele vieles zu

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„Es ist unsere AllzweckWaffe“, hat CDU-Landeschef Jörg Schönbohm einmal über Ulrich Junghanns gesagt. Der gibt freimütig zu, dass ihm seine Zusage nicht leicht gefallen ist. „Glauben Sie, ich sitze in der Ecke und warte auf einen Ruf?“, sagt er am Handy. Denn der Frankfurter Unternehmer und Vorsitzende der CDU-Stadtfraktion hätte schon längst Minister sein können. Wenn er gewollt hätte. Als Vize-Parteichef zählt er schon lange zu Schönbohms Vertrauten. Er war mehrfach für einen Platz am Kabinettstisch im Gespräch, doch der 46-jährige Managertyp und verheiratete Vater zweier Söhne hatte immer abgewinkt: Er habe den Aufbau seines High-Tech-Unternehmen mit sechs Mitarbeitern nicht gefährden wollen. Doch jetzt in der Stunde der Not wollte Junghanns die Partei und Schönbohm nicht im Stich lassen. Klar, dass er sich den Job zutraue. Er kenne die Materie, die Stimmungslage in der Wirtschaft. „Ich denke, dass ich integrieren, vermitteln, Mut machen und die Fäden in die Hand nehmen kann“, sagt er über sich. Das sind Fähigkeiten, die Junghanns über Parteigrenzen hinweg zugeschrieben werden. Er sei ein kluger Kopf, integrativ, loyal, habe eine natürliche Autorität, sagt ein CDU-Politiker. „Er ist kein Ränkespieler.“ Und in der SPD fiel Junghanns – bis dahin landespolitisch nicht im Rampenlicht – schon bei den Koalitionsverhandlungen 1999 auf. „Den muss man ernst nehmen“, hieß es schon damals. Schon lange gilt der Frankfurter in der Union als einer der wenigen, die das Format hätten, einmal Schönbohm zu beerben. In die CDU – dies sorgte in der Vergangenheit für Vorbehalte bei manchen – war Junghanns über einen Umweg gekommen. Vor der Wende hatte der gelernte Pferdewirt und studierte Staatswissenschaftler diverse Funktionen in der DDR-Bauernpartei. Als deren letzter Vorsitzender führte er sie in die Union, ehe er von 1990 bis 1998 dem Bundestag angehörte. Ehe er seinen neuen Job antreten kann, hat für Junghanns eins Vorrang: Er muss die Verhältnisse in der eigenen Firma klären, seine Anteile abgeben. thm

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