Schönefeld : Polnische Bahn bremst Flughafen aus

Die Betreiber des Flughafens Schönefeld wollen mehr Polen als Fluggäste locken. Doch die Bahn spielt nicht mit. Ein Angebot sich an der Werbung für den Nachtzug nach Warschau zu beteiligen, blieb unbeantwortet – und die Verbindung wurde eingestellt.

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Schönefeld hofft auf mehr Fluggäste aus Polen.
Schönefeld hofft auf mehr Fluggäste aus Polen.Foto: dpa

Die Flughafengesellschaft will das Geschäft mit Passagieren aus Polen ausbauen – und wird dabei von der Bahn ausgebremst. Der Flughafen hatte der polnischen Bahn PKP Intercity sogar angeboten, sich an der Werbung für den Nachtzug Warschau–Berlin zu beteiligen, aber nicht einmal eine Antwort erhalten. Der Nachtzug ist im vergangenen Dezember eingestellt worden.

In Schönefeld, dem Hauptsitz der Billigfluglinien im Berlin-Verkehr, kommen nach Angaben von Flughafensprecher Leif Erichsen bereits rund zehn Prozent der Passagiere aus Polen, vor allem aus den westlichen Regionen. Für die Bewohner dort ist es oft einfacher, Berlin zu erreichen als Warschau. In Zukunft rechne man mit einem weiteren Anstieg bei den Fluggastzahlen aus Polen, sagte Erichsen.

Vorwiegend erreichen diese Passagiere derzeit den Flughafen per Bus oder mit dem Auto. Auf der Internetseite des Flughafens können Parkplätze in Schönefeld auch auf Polnisch reserviert werden.

Schlechter sieht es für die Bahn aus. Attraktive Verbindungen von Berlin nach Polen gibt es derzeit nur nach Warschau. Die Zahl der Züge je Richtung wird im Dezember von drei auf vier erhöht, die Fahrzeit um zehn Minuten auf etwa fünfeinhalb Stunden verkürzt. Eine neue Verbindung gibt es auch einmal am Tag nach Kolberg. In die meisten anderen Regionen sind die Züge dagegen oft sogar länger unterwegs als vor dem Krieg. Der Ausbau kommt nur schleppend voran; weder Richtung Breslau noch nach Stettin hat sich in den vergangenen Jahren etwas bewegt. Experten aus beiden Ländern haben sich am Dienstag auf einer Tagung in Slubice für den Ausbau der Bahnverbindungen ausgesprochen. Immerhin wird in diesem Jahr die Strecke zwischen Berlin und Cottbus weiter ausgebaut. Ob später auf den erneuerten Gleisen Züge aus Polen direkt zum Flughafen fahren werden, ist aber noch nicht entschieden.

Und nun wurde Ende des vergangenen Jahres auch der Nachtzug gestrichen, der Kurswagen aus Königsberg, Danzig und Krakau mit sich führte. Die Verbindung über die sogenannte Ostbahn an Strausberg und Küstrin vorbei war erst im Dezember 2008 eingeführt worden.

Doch mit der Nachfrage war die polnische PKP Intercity, mit der die Deutsche Bahn zusammenarbeitet, nicht zufrieden. „Doch was kann man von einem erst vor einem Jahr eingeführten und nicht beworbenen Zugangebot überhaupt erwarten?“, zitiert die Zeitschrift „Signal“ des Fahrgastverbandes Igeb die Stadtpräsidenten von Gorzow Wielkopolski. Eine Auslastung von rund 60 Prozent ohne jegliches Marketing sei ein Beweis für das Potenzial dieser Verbindung.

Bei der Flughafengesellschaft sah man dies ähnlich und bot der PKP Intercity an, sich an der Werbung für den Nachtzug zu beteiligen. Das Angebot sei aber ignoriert worden, sagte Erichsen. Nach wie vor sei der Flughafen aber daran interessiert, die Verbindungen für Passagiere aus Polen auch auf der Schiene zu verbessern.

Noch kommen die Fluggäste vor allem aus Berlin. 78,5 Prozent der Passagiere waren im vergangenen Jahr aus der Stadt zu einem Flug aufgebrochen. Aus Brandenburg kamen 10,9 Prozent. Danach gibt es einen Knick: Mit 2,8 Prozent folgen die Sachsen auf dem dritten Rang, und dann kommen schon die polnischen Kunden mit einem Anteil von 2,5 Prozent am gesamten Flugverkehr. Sehr gering ist dagegen noch der Anteil der Passagiere aus Sachsen-Anhalt (1,7 Prozent), aus Mecklenburg-Vorpommern (1,6 Prozent) und aus Thüringen (0,5 Prozent). Auch hier will der Flughafen verstärkt um weitere Kunden werben.

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