Der Tagesspiegel : Schöner wohnen auf dem Schloßplatz

Anders als in den Vorjahren hat das Bezirksamt nichts mehr dagegen, dass im Zentrum der Stadt Campingmobile parken

Jörn Hasselmann

Berlin - Der Bezirk Mitte begrüßt die Welt zu Gast bei Freunden, auch auf dem Schloßplatz, auch im Wohnmobil. Derzeit stehen wieder bis zu zwei Dutzend vorwiegend italienische Campingwagen vor der Palast-Abriss-Kulisse. Anders als in den Vorjahren sieht jedoch der Bezirk Mitte darin kein Problem mehr, nicht einmal eine Posse. Vergessen sind die Sommer, in denen Polizei und Bezirksamt mit Pollern und Parkverboten versuchten, die Camper zu vertreiben – mehr oder weniger vergeblich.

„Es wäre unangemessen, dort einzuschreiten“, sagte Mittes Tiefbauamtsleiter Harald Büttner gestern. Auch verstärkte Parkschein-Kontrollen durch das Ordnungsamt werde es nicht geben, sagte Büttner, um „nicht den Eindruck zu erwecken“, dort würden Touristen abgezockt. Das Geld, das die Gäste in der Stadt ausgeben, sei wichtiger als ein möglicherweise nicht gezahltes Parkticket. In aller Regel zahlen die Camper ohnehin den einen Euro pro Stunde Parkgebühr. Da nur zehn Stunden am Tag kostenpflichtig sind, ist das immer noch billiger als ein Stellplatz auf dem Campingplatz.

Einschreiten will der Bezirk erst, wenn sich die Camper danebenbenehmen und etwa Fäkalientanks oder Spülwasser in den Gully kippen würden. Oder wenn abends gegrillt wird. Die meisten Wohnwagen bleiben wegen der fehlenden Infrastruktur ohnehin nur maximal eine Nacht stehen, sagte Büttner. Der Schloßplatz werde – wie in den 90er Jahren bereits – weiterhin in italienischen Campingmagazinen empfohlen, nach Büttners Recherchen aber oft in Verbindung mit Übernachtungen auf dem „Camping-Club am Krossinsee“ an der Stadtgrenze.

Zustimmung findet der Bezirk bei den Berliner Tourismuswerbern. BTM-Sprecher Christian Tänzler sagte: „Jeder Willkommensgruß freut uns.“ Italien sei einer der am kräftigsten wachsenden Märkte, im Mai, dem letzten statistisch erfassten Monat, wurden fast 30 Prozent mehr italienische Touristen als im Vorjahresmonat gezählt. Tänzler erinnerte daran, dass die meisten Italiener in Hotels absteigen – und damit Kassen füllen.

Das war in den Vorjahren anders. 1998 hatte sich ein Polizeisprecher mit markigen Worten zitieren lassen: „In ein paar Tagen haben wir das Problem im Griff.“ Jetzt ist es auch bei der Polizei nicht einmal ein Problem mehr. „Das wird weitgehend geduldet“, hieß es im zuständigen Abschnitt 32. Erst wenn ein Reisemobil dort eine Woche stehe „oder Vorzelt, Campingstühle und Kocher aufbaut“, werde man tätig.

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