Schorfheide : Ärger im Biosphärenreservat

Sparkus beim Naturschutz? Der Leiter des Welterbegebiets Schorfheide geht in Ruhestand. Naturschützer fürchten sich vor seiner fachfremden Nachfolgerin.

Thorsten Metzner

Potsdam Es geht um die künftige Führung des zum Unesco-Welterbe gehörenden Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin. Um einen der wichtigsten Naturschutzposten des Landes Brandenburg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will heute den langjährigen Leiter des Reservates Eberhard Henne in den Ruhestand verabschieden. Doch um die Nachfolge von Henne, der als „Naturschützer der ersten Stunde“ gelobt wird, gibt es einen Streit – der manchen Naturschützern in und außerhalb des Landesdienstes „ein Beleg mehr“ dafür ist, wie in dem vom früheren Umweltminister Platzeck regierten Brandenburg der unpopulär gewordene Naturschutz mittlerweile „klein gehalten“ werden solle.

Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hat entschieden, die Spitze des Biosphärenreservates mit der Forstbeamtin Constanze Knape, heute Leiterin der Forstschule Finkenkrug, zu besetzen. Doch Woidkes Sprecher Uwe Schade muss auch eingestehen, dass es einen „geordneten Stabwechsel leider nicht geben wird“: Wegen noch laufender Konkurrentenklagen vor dem Arbeitsgericht Potsdam darf die Stelle vorerst nicht regulär besetzt werden.

Um die Nachfolge Hennes hatten sich nämlich auch profilierte Naturschutzbeamte beworben, darunter der langjährige Referatsleiter für Naturparke in der Abteilung Großschutzgebiete im Landesumweltamt, Martin Flade, zuständig für 51 Mitarbeiter. Er ist einer der Kläger, die sich gegen die Besetzung der Stelle mit einer fachfremden Forstbeamtin wehren. Er war jedoch im Umweltministerium in Ungnade gefallen, weil er sich nicht mit der von seinen Vorgesetzten geduldeten Fällung von 572 uralten Eichen im Totalreservat Redernswalde – Teil des Biosphärenreservates – abfinden wollte. Wie berichtet, blieb dieser Naturschutzskandal bislang folgenlos. Ein anderer Kläger ist Hennes langjähriger Stellvertreter Uwe Graumann, der ebenfalls seit mehr als zehn Jahren in der Großschutzgebietsverwaltung des Landes tätig ist.

Doch nach den Kriterien der Ausschreibung für den Posten zählt nicht in erster Linie Fachkompetenz, sondern Leitungserfahrung – und „zwar zu 55 bis 60 Prozent“, wie Schade sagt. Und diese liege bei Frau Knape, die die Forstschule Finkenkrug „aus der Lethargie erweckt“ habe, vor. Zudem könne ein forstwirtschaftlicher Hintergrund für die Leitung eines Reservats wie Schorfheide-Chorin, das zu 80 Prozent aus Wald bestehe, „ja nicht schaden“. Den Vorwurf, hier solle mittels einer Personalie der Naturschutz klein gehalten werden, weist Schade vehement zurück. Nicht nur die ministerielle Auswahlkommission habe Knape favorisiert, auch der Personalrat des Landesumweltamtes habe sie „durchgewinkt“, sagt Schade. „Die Personalie ist damit bestätigt.“ Allerdings noch nicht vom Potsdamer Arbeitsgericht. Wann dieses entscheidet, ist offen. Thorsten Metzner

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