Der Tagesspiegel : Schülerwettbewerb: Mauer-Erzählungen: "Bananen sind nicht alles"

Empfanden Sie den Namen "Antifaschistischer Schutz

Empfanden Sie den Namen "Antifaschistischer Schutzwall" als gerechtfertigt?

Nee, ich fand, das war ein Witz. So etwas Albernes ist mir schon lang nicht mehr passiert, muss ich sagen. Darüber haben alle Bürger auch geschmunzelt und fanden das höchst albern.

(Ulrike Laws, 58, damals Schülerin in Pankow, heute leitet sie eine Werbeagentur)

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Die Mauer in Bildern Das war propagandistisch übertrieben und phrasenhaft, da der Kapitalismus in maßloser Verkürzung mit dem "Faschismus" gleichgesetzt wurde. Aber es hatte einen bestimmten Wahrheitsgehalt im Sinne von Selbstschutz einer neuartigen Gesellschaft gegenüber der wirtschaftlichen, propagandistischen und sonstigen Übermacht des "Westens".

(Rudolf Dau, 66, damals wissenschaftlicher Assistent in Mahlsdorf, heute Rentner)

Nö, wir nannten sie immer die "Mauer". Mit antifaschistisch konnten wir nichts anfangen. Wir wussten nicht, warum die auf der anderen Seite unsere Feinde, also "faschistisch", sein sollten. Schutzwall war richtig, weil sich der Staat vor der Massenflucht schützen wollte. Es war wahrscheinlich wirklich nötig, dass die Mauer gebaut wurde, sonst wäre das Land ausgeblutet.

(Norbert Buchholz, 53, damals Schüler in Friedrichshain, heute Ingenieur)

Von der Schule wurde es so plausibel gemacht, dass es gar keine andere Möglichkeit gab. Meine Eltern haben mich wahrscheinlich bewusst nicht in einen Konflikt gebracht, da sie dazu eine andere Einstellung hatten. Sie waren selbständig, es hätte große Schwierigkeiten gegeben, wenn sie sich öffentlich gegen die Mauer gestellt hätten.

(Pauline Krüger, 54, damals Schülerin in Prenzlauer Berg, heute Kauffrau)

Ja, weil in dieser Zeit bewusst herbeigeführte Störungen in Betrieben, im Verkehrswesen usw. Aufregung und Angst verursachten. Dazu kam die Mitteilung, dass es durch den Umtauschkurs von 1:5 zu erheblichen Aufkäufen von DDR-Waren durch Westdeutsche und dadurch zu einer starken Verknappung des Warenangebots in der DDR kommen werde. Unsere mühsam aufgebaute Lebensordnung wurde bedroht.

(Renate Wenzel, 71, damals Ingenieurin in Freital bei Dresden, heute Rentnerin)

Hatten Sie nach dem Mauerbau jemals den Wunsch, die Seite zu wechseln?

Ja, als ich 18 war, schon. Aber ich hatte meine Mutter hier und meine Schwester. Mein Bruder ist gegangen. Also dachte ich, gehst Du mal mit. Aber er war ja viel gefestigter, ich war finanziell noch nicht selbständig. Ich musste einfach zu Hause bleiben und wollte es dann auch, weil der Rest meiner Familie hier in Ost-Berlin war. Aus politischer Sicht wäre ich gern rübergegangen. Sich so eingesperrt zu fühlen, empfand ich ich doch als sehr schlimme Sache.

(Ulrike Laws)

Nein, niemals.

(Rudolf Dau)

Eigentlich nicht. Meine Wurzeln und meine ganze Familie waren hier. Ich fühlte mich nicht sehr eingeschränkt. Es gab zwar keine Bananen, aber Bananen sind nicht alles.

(Norbert Buchholz)

Also, bei meinen Eltern ja sowieso, weil sie eigentlich immer in West-Berlin gewohnt haben. Wir haben das aber nicht getan, weil mein Bruder gerade in der Lehre war und ich zur Schule ging.

(Pauline Krüger)

Nein, niemals.

(Renate Wenzel)

Die Schülerinnen Kati Mareyen, Juliane Dau und Nguyen Thi Thu Trang besuchen die 11. Klasse des John-Lennon-Gymnasiums (Mitte).

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