Der Tagesspiegel : Schulämter werden reduziert: Lehrer werden kontrolliert

Thorsten Metzner

Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) will Brandenburgs Lehrer auf Trab bringen: Das Kabinett gab jetzt grünes Licht für die Reform der märkischen Schulverwaltung, bei der die Zahl der Schulämter von 18 auf sechs reduziert werden soll. Gleichzeitig soll der Unterricht verstärkt durch Fach-Schulräte kontrolliert werden, kündigte Reiche an. "Die Schulräte sollen helfen, aber notfalls auch korrigierend und disziplinierend eingreifen", sagte er. "Dem Schlendrian an manchen Schulen ist damit endgültig der Kampf angesagt". Ziel der "kontinuierlichen Beratung und Begleitung" der Lehrer sei ein "qualitativer Sprung" im Unterricht und die Motivation der Lehrerschaft. Der Minister verwies auf eine aktuelle Studie der Universität Potsdam, nach der sich jeder dritte deutsche Lehrer "ausgebrannt" fühlt.

Reiche will zudem in vorsichtiger Anlehnung an die DDR-Praxis an märkischen Schulen wieder Auszeichnungen wie "Bester Lehrer" oder "Beste Schule" einführen, um die schlechte Stimmung in der Lehrerschaft zu verbessern. "Ich habe nichts dagegen, das man Dinge, die in der DDR gut waren, weiterentwickelt", sagte Reiche dem Tagesspiegel. Außerdem soll nach Plänen des Bildungsministeriums der morgendliche Schulbeginn in Brandenburg im Regelfall auf 8 Uhr verlegt werden (bislang oft 7 Uhr), wobei den Schulkonferenzen Spielräume bleiben sollen.

Vor dem Hintergrund der Schülerzahlen, die von derzeit 436 000 auf 270 000 im Jahr 2009 sinken werden, soll nach dem Kabinettsbeschluss ab 1. Januar 2002 die Schulverwaltung gestrafft werden. Die Regierung müsse aus dem demographischen Wandel rechtzeitig die Konsequenzen ziehen, sagte Reiche. Die derzeit 18 Schulämter in Brandenburg sollen zu sechs regionalen Schulämtern zusammengefasst werden, deren Belegschaft in den nächsten Jahren ohne Entlassungen von 430 auf 355 Mitarbeiter abgebaut wird. Reiche rechnet mit rund 8 Millionen Mark Einsparungen. Allerdings halten sich die Effekte für den Landeshaushalt selbst in Grenzen, da 270 bisherige Kommunalbedienstete der Schulämter in den Landesdienst wechseln sollen, wobei das Land im Gegenzug die Zuweisungen an die Kommunen um diese Personalkosten reduziert. Die Entscheidung über die Sitze der sechs Regionalschulämter will das Kabinett im Frühjahr 2001 fällen, sagte Reiche. Er betonte, dass dies mit der Straffung der Forst- und Finanzämter abgestimmt werde. Es dürfe kein Landkreis "landesbehördenfrei" werden.

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