Schuldbekenntnis : Israels Präsident räumt Sex-Vorwürfe ein

Die monatelange Schmierenkomödie um Israels Präsident Katzav ist zu Ende: Der 61-Jährige hat zugegeben, zwei Frauen sexuell belästigt zu haben. Im Gegenzug werden die Anklagen gegen ihn wegen Vergewaltigung und Korruption fallen gelassen. Frauenorganisationen zeigen sich empört über den Deal.

BerlinDer scheidende israelische Präsident Mosche Katzav (61) hat mit Blick auf Vorwürfe wegen sexueller Nötigung eine Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft getroffen. Der israelische Generalstaatsanwalt Menachem Masus gab vor Journalisten in Jerusalem Einzelheiten der Vereinbarung bekannt. Demnach bekannte sich Katzav zu einer "langen Reihe sexueller Vergehen, insbesondere der Belästigung und weiterer unschicklicher Handlungen".

Katzav hat demnach schriftlich sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen in zwei Fällen sowie Zeugenbelästigung eingeräumt und muss Entschädigung zahlen. Dafür sind weitere Anklagepunkte wegen Vergewaltigung und Korruption fallen gelassen worden. Ihm wurde vorgeworfen, als Tourismusminister 1998 und 1999 eine Mitarbeiterin vergewaltigt zu haben, während seiner Amtszeit als Präsident soll er drei weitere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben. Katzav, der sein Amt seit Januar ruhen lässt, soll laut Masus eine Bewährungsstrafe erhalten und als "Akt der Verantwortung" in aller Form zurücktreten. Damit bliebe ihm eine Gefängnisstrafe erspart. Zu seinem Nachfolger wurde kürzlich Schimon Peres gewählt, der vom 15. Juli an Israels Staatsoberhaupt sein wird.

Protest von Frauenorganisationen

Der Generalstaatsanwalt erklärte, er habe sich bei einer Anhörung in einigen Punkten von den Anwälten Katzavs überzeugen lassen, die auch neue Beweise vorgelegt hätten. Eine außergerichtliche Einigung habe er jedoch abgelehnt. Man habe sich letztlich auf eine abgeschwächte Anklageschrift geeinigt.

Die erste Beschwerdeführererin gegen Katzav, deren Vorwürfe fallen gelassen werden sollen, hat bereits eine Klage vor dem Obersten Gericht in Jerusalem gegen die Vereinbarung angekündigt. Auch israelische Frauenorganisationen laufen Sturm gegen die Übereinkunft zwischen dem Präsidenten und der Staatsanwaltschaft. (mit dpa/AFP)