Schule : Brandenburg reagiert auf hohen Unterrichtsausfall

Bildungsminister stellt Pläne fürs neue Schuljahr vor – und erntet prompt Kritik. Erstmals gibt es ein gemeinsames Zentralabitur mit Berlin.

Thorsten Metzner

Potsdam - Brandenburg will im jetzt beginnenden Schuljahr 2009/10 den Unterrichtsausfall an den Schulen reduzieren, der insbesondere im Berliner Umland regelmäßig ein Ärgernis für tausende Schüler und Eltern ist. Das hat Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) am Freitag auf einer Pressekonferenz in Potsdam versichert. Danach sollen neben der sogenannten „Vertretungsreserve“ von drei Prozent der Lehrkräfte, die den staatlichen Schulämtern und den Schulen direkt für Engpässe zur Verfügung stehen, nunmehr 600 statt bisher 200 Teilzeitlehrer bei Ausfallstunden gewissermaßen als Feuerwehr einspringen.

Dabei geht es nicht um neu eingestellte Lehrer, sondern um Pädagogen, die wegen sinkender Schülerzahlen und begrenzter Etats nur Teilzeitverträge hatten. Jetzt erhalten sie wieder volles Gehalt, bei voller Arbeitszeit. Dies werde „zu spürbaren Verbesserungen“ führen, sagte Rupprecht, der nach Signalen aus dem Umfeld von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nach der Landtagswahl am 27.September Minister bleiben wird.

Allerdings verursachte sein Auftritt neuen Krach in der seit 1999 regierenden SPD/CDU-Koalition, in der sich wenige Wochen vor der Landtagswahl führende Protagonisten streiten: Mal ist es das in Teilen Brandenburgs zu langsame Internet, der Landtagsschloss in Potsdam oder eben jetzt die Sicherung von Unterricht. Für den CDU-Bildungsexperten Ingo Senftleben reichen die angekündigten Schritte nicht aus. Er warf Rupprecht vor, den Ausfall „weiter zu ignorieren“, und forderte eine Unterrichtsgarantie. Nach Zahlen des Bildungsministeriums fallen zwei Prozent des Unterrichts im Land ersatzlos aus, zumeist wegen erkrankter Lehrer. Das sind im Schuljahr 250 000 Stunden. Weitere sechs Prozent des Unterrichts werden anders gesichert, etwa durch Vertretungen, zusammengelegte Klassen oder Stillbeschäftigung. Immer wieder gibt es spektakuläre Fälle: So hat jüngst die Gemeinde Kleinmachnow auf Druck einer Elterninitiative 100 000 Euro aus eigener Kasse zur Finanzierung von Aushilfslehrern bewilligt, obwohl für Schulen das Land zuständig ist.

Das Schulsterben in der Mark, das in der Vergangenheit die Eltern in den berlinfernen Regionen beunruhigte, ist dagegen vorbei. Auf Brandenburgs 278 000 Schüler – 13 000 weniger als im Vorjahr – kommen im neuen Schuljahr dennoch einige Veränderungen zu. So wird es erstmals gemeinsam mit Berlin das Zentralabitur in Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch geben. Und mit dem Pisa-Vorreiter Thüringen wird nach Worten von Rupprecht gerade ein Set zur Förderung der Lesekompetenz bei schwachen Schülern entwickelt, das Ende 2010 zur Verfügung gestellt werden soll. Inhaltlich soll 2009/10 an den Schulen „ein Themenjahr zu Mauerfall und DDR-Geschichte werden“, da es erhebliche Wissensdefizite bei Schülern über die deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte und das DDR-System gibt.

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