Schule : GEW startet umstrittene Lehrerstudie

Die von den Kultusministern abgelehnte internationale Lehrerstudie Talis (Teaching and Learning International Survey) ist am Wochenende von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für Deutschland in eigener Regie gestartet worden. Mit der Studie will die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Arbeitsbedingungen von Lehrern und Schulleitern in 23 Industrienationen untersuchen. Alle interessierten Pädagogen könnten sich im Internet an Talis beteiligen (www.gew.de), sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Demmer warf den Kultusministern „Ignoranz“ vor. Sie hätten offensichtlich an einem Vergleich der Situation deutscher Pädagogen kein Interesse. Die Kultusminister hatten die Beteiligung mit der Begründung abgelehnt, dass keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien. Wissenschaftler würden im Auftrag der GEW die Ergebnisse auswerten und 2009 zeitgleich mit der internationalen Studie veröffentlichen, sagte Demmer.

Unterdessen hat die GEW dem Berliner Senat und den Universitäten vorgeworfen, die Reform der Lehrerbildung mit ihrem Streit über die Verzahnung von Studium und Referendariat zu blockieren. Die Universitäten wehren sich gegen einen KMK-Beschluss zum einjährigen Lehramtsmaster („kleiner Master“). Da mit dem Master-Abschluss generell 300 Leistungspunkte erbracht sein müssen, fehlen angehenden Grund-, Haupt- und Realschullehrern, die nur einen „kleinen Master“ studieren, 60 Leistungspunkte. Diese sollen nach dem KMK-Beschluss aus dem einjährigen Referendariat anerkannt werden – aus Sicht der Hochschulen eine Einschränkung ihrer akademischen Verantwortung.

Im Februar nehmen die ersten Masterabsolventen ihr Referendariat auf. Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Kenneth Frisse, sagte auf Anfrage: „Wir sind bemüht, eine Einigung herbeizuführen.“ Die GEW forderte ein zweijähriges Masterstudium für alle Lehrer, wie NRW es in der vergangenen Woche beschlossen hatte. Die Reform in NRW sieht außerdem zusätzliche Praktika und eine Modernisierung des Referendariats mit „zeitgemäßen Lernmethoden“ vor. dpa/akü

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