Schuleröffnung : Auferstehung im Plattenbau

In Potsdam wurde die erste katholische Schule seit 69 Jahren eröffnet. Die letzte hatten die Nazis 1939 geschlossen. Bei der Weihung durch Kardinal Sterzinsky war auch eine Schülerin von damals dabei.

Andreas Wilhelm

Potsdam – Die St. Antonius Kirche, rund einen halben Kilometer von der neuen katholischen Marienschule in Potsdam Babelsberg entfernt, war gestern nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Besucher des Gottesdienstes drängelten sich auch in den Gängen und vor dem Eingang. Der Grund: Kardinal Georg Sterzinsky kam gestern, um die erste katholische Schule der Landeshauptstadt seit 69 Jahren zu weihen. Das Erzbistum als Träger nutzt dafür die Räume eines DDR-Plattenbaus, in dem sich bis vor kurzem noch eine staatliche Schule befand.

1939 hatten die Nazis die letzten beiden katholischen Bildungseinrichtungen in Potsdam und Babelsberg geschlossen. „Aus fadenscheinigen Gründen“, wie Manfred Gläser, Gründungsmitglied des Fördervereins der Marienschule recherchiert hat. „Weite Wege der Kinder, Schulraumnot, Lehrermangel und Einsparung – das waren die Punkte, mit denen der damalige NS-Stadtrat die Schließung offiziell begründet hat.“

Eine, die während der Schließung vor 69 Jahren in die dritte Klasse ging, kam gestern zu der feierlichen Eröffnung. Ruth Huhn erinnerte sich noch vage an die Zeit, als die Marienschule in der Jägerstraße im Potsdamer Stadtzentrum stand. Die Erinnerung an die Schließung im Juli 1939 sei allerdings vom Beginn des Krieges, fünf Wochen später, überschattet worden, erzählte sie. „Damals wurde mein Vater eingezogen.“ Sie sei froh, sagte die heute 78-Jährige, dass es wieder eine katholische Schule in Potsdam gibt.

Kardinal Georg Sterzinsky lobte gestern während des Gottesdienstes vor allem den „,langen Atem, die Klugheit und die Spendenfreundlichkeit der Potsdamer Eltern“. Bereits vor zehn Jahren gründete sich der Förderverein, mit der Idee die Marienschule wieder auferstehen zu lassen. Seitdem sind viele Eltern der Initiative beigetreten, haben Wände gestrichen oder Geld gestiftet.

Auch Prominente wie TV-Moderator und Wahl-Potsdamer Günther Jauch stehen hinter dem Verein und haben gespendet, um das Projekt zu realisieren. Eine elitäre Einrichtung soll die katholische Schule in dem DDR-Plattenbau jedoch nicht werden, betonte gestern noch einmal Hans-Peter Richter, Dezernent der Schulabteilung im Erzbistum. Die konfessionelle Ausrichtung der Schüler ist laut Verein kein Zwang beziehungsweise keine Voraussetzung, um die Schule zu besuchen. Auch gebe es bereits eine Kooperationsvereinbarung mit dem Geoforschungszentrum Potsdam, sagte Richter. „Wir öffnen uns für viele“.

Rund 25 Schüler der ersten und ebenso viele der siebten Klasse besuchen nun ab heute die Grundschule beziehungsweise das Gymnasium. Langfristig ist auch eine Oberschule unter der Trägerschaft des Erzbistums geplant. Mit ihrem Standort dürfte die Marienschule auch für Eltern aus dem Süden Berlins interessant sein. Der S-Bahnhof Griebnitzsee ist nur rund 300 Meter von ihr entfernt.

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