Der Tagesspiegel : Schulreform soll im Sommer starten Koalitionsfraktionen halten an Oberschule fest

Thorsten Metzner

Potsdam - Brandenburgs Landesparlament will heute mit der SPD/CDU-Regierungsmehrheit die Einführung der neuen „Oberschule“ beschließen, die zum Schuljahr 2005/2006 die Real- und Gesamtschulen ablösen soll. „Die Straffung der Schulstrukturen ist überfällig; wir können damit wegen der Schülerrückgänge und der schon jetzt langen Schulwege in den dünn besiedelten Regionen nicht länger warten“, sagt CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek am Dienstag. Sonst werde es nicht möglich sein, die nächsten 7. Klassen – für die die Kinder im Frühjahr 2005 angemeldet werden müssen – bereits an Oberschulen zu unterrichten.

Die SPD-CDU-Koalition zeigt sich damit unbeeindruckt von einer breiten Allianz, die massive Kritik an der neuen Oberschule übt. Dazu gehören die PDS-Opposition, aber auch Lehrerorganisationen, Schülervertretungen und Kommunalverbände. Die Gründe für die Ablehnung sind vielfältig: So wird bezweifelt, ob die im Gesetz versprochene Wechselmöglichkeit von den Oberschulen auf die Gymnasien, die für gute Schüler nach jedem Halbjahr gegeben sein soll, wirklich gewährleistet wird. Zum anderen befürchten Experten, dass es im nächsten Jahr zunächst einen Ansturm auf die Gymnasien geben wird, weil Eltern keine Erfahrung und wenig Vertrauen in die neue Schulform hätten.

Dabei war die Fusion von Real- und Gesamtschulen im dünn besiedelten Land seit Jahren von SPD, PDS, Verbänden und Experten gefordert worden – auch von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), der aber das von der Regierung vorgelegte Modell nicht weit genug geht. GEW-Landeschef Günter Fuchs kritisierte am Dienstag, dass das gegliederte Schulsystem so „entgegen dem internationalen Trend zementiert“ werde, da unter dem Dach der neuen Oberschule auch ein Hauptschul-Abschluss eingeführt wird, den es bisher in Brandenburg nicht gab. Als Alternative fordert die GEW eine gemeinsame Grund- und Oberschule bis zur 8. Klasse; erst danach sollten die guten Schüler aufs Gymnasium wechseln können.

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