Der Tagesspiegel : Schutzburg

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Seit Jahrzehnten wird im südlichen Brandenburg Braunkohle im Tagebau gewonnen. Das hat die Region verändert. Menschen mussten umgesiedelt werden, Dörfer verschwanden. Bevor die Bagger kamen, haben Bodendenkmalpfleger das Gebiet untersucht. Ergebnisse dreißigjähriger Braunkohlenarchäologie werden jetzt in der Slawenburg Raddusch präsentiert: Steinwerkzeuge, Keramiken, Reste von Brand und Körperbestattungen, Hinterlassenschaften aus der Bronze- und der Eisenzeit, aber auch aus der germanischen Periode. Mit dem Bau der Slawenburg an der Abfahrt Boblitz / Lübbenau der Bundesautobahn 15 wird der Region ein Stück historische Identität zurückgegeben. Das Projekt kostete rund drei Millionen Euro für den Burgwall und 1,2 Millionen Euro für die Ausstellung. Der neun Meter hohe Wall besteht aus einem innen hohlen und begehbaren Betonkern, der wie vor tausend Jahren mit Holzstämmen verkleidet ist. Wie die rostartig übereinander geschichteten Eichenstämme miteinander in slawischer Zeit verzahnt wurden, zeigt die 600 Quadratmeter große Ausstellung. Eine Computersimulation schildert, wie Raddusch zur Erbauungszeit um das Jahr 850 ausgesehen hat. Ausgrabungen ergaben, dass im Burghof Hütten und vier Brunnen der zum Stamm der Lusizi zählenden Menschen standen, nach denen die Region Lausitz heißt. Die Lusizen waren Bauern und lebten außerhalb der Burg. Bei Gefahr suchten sie hinter dem Wall Schutz. Die Slawenburg Raddusch ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Text: Helmut Caspar / Foto: Rainer Weisflog

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