Der Tagesspiegel : Schwarzer Bomber in befreiter Zone

Die Filmsatire über den Aufschwung Ost wurde in Rüdersdorf gedreht. Jetzt ist dort Premiere

Claus-Dieter Steyer

Rüdersdorf. Premierenfieber der besonderen Art dürfte sich heute Abend im Kulturhaus Rüdersdorf einstellen. Denn viele Einwohner des Ortes am östlichen Berliner Stadtrand werden sich erstmals auf der Leinwand wieder entdecken. Sie haben als Kleindarsteller oder Statisten im vergangenen Jahr im Streifen „Befreite Zone“ mitgewirkt. Zahlreiche Szenen entstanden auf den Straßen und dem Sportplatz der Kleinstadt. Nach der Premiere während der Berliner Filmfestspiele im Februar kommt die Arbeit von Regisseur Norbert Baumgarten nun erstmalig zurück an ihren Entstehungsort. Da der offizielle Kinostart noch nicht feststeht, wollen sich viele Rüdersdorfer die heutige Chance des Wiedersehens nicht entgehen lassen.

Rüdersdorf, durch sein großes Zementwerk bekannt, trägt im Film den Namen Sässlen: Blauäugig und zu jedem Risiko bereit, erleben die Bürger den Aufschwung Ost und bekommen ihn am Ende beinahe zu fassen. Dabei geht es lebhaft zu, vor allem in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Im Mittelpunkt des satirischen Streifens aber steht „Blondi“. Der Mann trägt seinen Spitznamen allerdings völlig zu Unrecht. Schließlich stammt er aus Nigeria und als „schwarzer Bomber“ schießt er den örtlichen Fußballverein an die Spitze der Landesliga und Sässlen aus der Bedeutungslosigkeit. Plötzlich wittern im Ort viele die Chance zum Erfolg. Der gewohnte Alltag gerät aus den Fugen. Affären, Misserfolge, Gerichtsverfahren und ein Toter bedienen ein Vorurteil nach dem anderen.

Die Rüdersdorfer werden nicht nur sich selbst wiedererkennen, sondern auch einige bekannte Darsteller. Dazu gehören Florian Lukas (derzeit in „Good bye, Lenin!“), Axel Prahl („Halbe Treppe“), Daniela Hoffmann und Annett Renneberg. Die Hauptrolle in dem Film aus der Reihe OSTWIND, der gemeinsamen Programmwerkstatt von ORB und ZDF („Das kleine Fernsehspiel“), spielen Johanna Klante als Sylvia Kubicek und Michael Ojake, der das neue Fußballidol Ade Banjo verkörpert.

Brandenburger Orte wurden schon oft zur Filmkulisse. Golzow im Oderbruch schreibt mit der 1960 begonnenen Langzeitbeobachtung sogar Weltfilmgeschichte. Die damals mit der Einschulung begonnene Dokumentation der Lebenswege ist einmalig und wird trotz schwieriger Finanzlage fortgesetzt. In Frankfurt (Oder) spielte der erfolgreiche Streifen „Halbe Treppe“ und das kleine Prignitzdorf Roddan beherbergte wochenlang Schauspieler für die Verfilmung von Strittmatters Werk „Der Laden“. Ein Tagebaurestloch in der Lausitz verwandelte sich im Film „Enemy at the gates“ in die Wolga beim Kampf um Stalingrad.

Die Aufführung des Films „Befreite Zone“ beginnt heute um 19.30 Uhr im Kulturhaus Rüdersdorf. Der Eintritt ist frei.

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