Schwarzes Gold : Märkische Emirate

Schlummern in den Böden Brandenburgs unentdeckte Bodenschätze? In Ost-Brandenburg wird jetzt jedenfalls nach Erdöl gesucht. Eine Londoner Firma hat sich die Lizenz gesichert und will den Untergrund zwischen Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt gründlich untersuchen.

Claus-Dieter Steyer
Öl_Brandenburg
Die derzeit einzige Erdöl-Förderstätte Brandenburgs liegt bei Manschnow nahe der deutsch-polnischen Grenze. -Foto: p-a/ZB

Frankfurt (Oder) - Zu den wenigen Profiteuren eines steigenden Ölpreises könnte womöglich bald auch Brandenburg gehören. Eine britische Firma sucht den Untergrund zwischen Fürstenwalde, Frankfurt (Oder) und Eisenhüttenstadt nach Öllagerstätten ab. Das in Cottbus ansässige Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe bestätigte gestern die Vergabe einer Suchlizenz für ein rund 940 Quadratkilometer großes Areal südlich der Ortschaften Jacobsdorf und Pillgram und der Autobahn A 12 Berlin – Frankfurt (Oder) an das Unternehmen „Celtique Energie“. Zwar ist dort von Bohrtrupps noch nichts zu sehen, aber das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Derzeit werte die Londoner Firma, hinter der amerikanische Geldgeber vermutet werden, geologische Unterlagen aus DDR-Zeiten aus. Von dem Ergebnis hängt es ab, ob tatsächlich in Kürze von einem Brandenburger Ölrausch gesprochen werden kann.

„Grundsätzlich ist mit Öl in 1000 bis 3000 Meter Tiefe unter dem märkischen Sand zu rechnen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter des Bergbau-Landesamtes, Hans-Georg Thiem. „Aber ob sich ein Abbau tatsächlich lohnt, hängt von der Entwicklung der Preise auf dem Weltmarkt ab.“ Die Lizenzvergabe deute schon auf ein starkes Interesse der Londoner Firma hin. Diese hat sich entsprechende Sucherlaubnisse auch in der Schweiz, in Frankreich, Polen und in Afrika gesichert.

An das Studium der geologischen Daten würden sich seismologische Tests an Ort und Stelle anschließen, teilt Thiem mit. In Bohrlöchern ausgesandte Schallwellen geben den Fachleuten Auskunft über die Formationen und eventuelle Ölvorkommen. Danach könnten die großen Bohrteams anrücken.

Zu DDR-Zeiten wurde seit 1960 Erdöl in nennenswerten Mengen in Reinkenhagen bei Grimmen, südlich von Stralsund, gefördert. Erst 1996 kam hier das Aus, da sich der Abbau nicht mehr lohnte. Auch auf der Halbinsel Fischland-Darß entdeckten die Geologen ein Vorkommen, das die Wirtschaft aber nur kurze Zeit nutzte. Öl wird auch auf Rügen vermutet. Seit einigen Jahren arbeitet ein kleiner Förderbetrieb bei Manschnow nahe Kietz-Küstrin an der deutsch-polnischen Grenze. Zwölf Beschäftigte holen hier täglich 60 Tonnen Öl aus dem Boden. Schon von Weitem ist dort der fünf Meter hohe Förderturm mit der Fackel des Begleitgases zu sehen. Der französische Konzern Gaz de France lässt den Rohstoff per Tanklastzug zur nahen Raffinerie in Schwedt bringen.

Derzeit werden jährlich in Deutschland 3,7 Millionen Tonnen Erdöl gefördert, vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Das sind nur 2,5 bis drei Prozent des Jahresbedarfs. Allerdings kurbeln die steigenden Weltmarktpreise für Rohstoffe überall die Suche nach Bodenschätzen an. Im südbrandenburgischen Spremberg prüft das Unternehmen Minera aus Panama wie berichtet den Abbau von Kupfer.

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