Schweiz - Deutschland : Poldi & Co. gewinnen verdient

Jetzt kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen: Viermal trafen Mario Gomez, Miroslav Klose und Lukas Podolski das Tor der Schweiz. Gomez sogar zweimal. Und das war gut so, denn bis zu diesem Länderspiel hatte Bundestrainer Joachim Löw einige Kritik nach dem Spiel in Österreich einstecken müssen.

Gomez
Mario Gomez traf und traf. -Foto: AFP

Angeführt vom Doppel-Torschützen Mario Gomez hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft 74 Tage vor ihrem EM-Auftaktspiel wieder wie ein Titelkandidat präsentiert. Nach dem jüngsten Wellental gewann das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Basel gegen den EM-Mitgastgeber Schweiz klar mit 4:0 (1:0). In seinem 800. Länderspiel zeigte sich der dreimalige
Europameister gegenüber dem von viel Kritik begleiteten 3:0 in Österreich vor wenigen Wochen deutlich verbessert und kam durch Tore von Miroslav Klose (23.), Gomez (61./67.) und des eingewechselten Lukas Podolski (89.) zu einem auch in dieser Höhe verdienten Erfolg.

Klose nutzt Chance eiskalt

Beim letzten Härtetest vor der Nominierung des 23-köpfigen EM-Kaders am 16. Mai betrieb das Löw-Team auf eindrucksvolle Weise Wiedergutmachung für den holprigen Jahresauftakt und feierte im 50. Duell mit den Eidgenossen den 36. Sieg. Bereits in Endrundenform präsentierten sich auf schwer bespielbarem Boden in Basel die neu besetzte Abwehrreihe und das Sturmduo. Klose, der mit seinem 38. Länderspiel-Treffer Oliver Bierhoff überflügelte und auf Platz sieben der DFB-Bestenliste vorstieß, war im entscheidenden Moment zur Stelle und nutzte einen Fehler des Wolfsburger Bundesliga-Keepers Diego Benaglio eiskalt aus. Nach der Pause schlug die Stunde von Gomez, der ein ständiger Unruheherd für die Schweizer Abwehr war und seine Leistung mit dem zweiten Doppelpack im DFB-Trikot krönte. Erstmals war der Stuttgarter im Juni vergangenen Jahres gegen San Marino zweimal erfolgreich gewesen.

Unter besonderer Beobachtung stand nach seinen schweren Patzern in Wien Jens Lehmann. Der beim FC Arsenal auf der Ersatzbank schmorende Torwart wurde von den mit fünf Bundesliga-Profis angetretenen Schweizern aber nur selten auf die Probe gestellt und konnte seine Rekordserie auf 621 Minuten ohne Gegentor ausbauen. Erst nach knapp einer Stunde musste Lehmann bei einem Distanzschuss von Daniel Gygax zum ersten Mal sein Können zeigen. Wirkungsvoll unterstützt wurde er von der Innenverteidigung mit Per Mertesacker und dem erstmals im Nationaltrikot auf dieser Position eingesetzten Heiko Westermann.

Beide waren vor allem mit hohen Bällen nicht zu überwinden. Clemens Fritz, der auf der rechten Seite den Vorzug vor dem formschwachen Bernd Schneider erhielt, sammelte ebenfalls Pluspunkte im Kampf um ein EM-Ticket und bereitete Gomez' erstes Tor mit klugem Pass vor. Im Mittelfeld war Thomas Hitzlsperger zunächst effizienter als Michael Ballack, dessen Kreise immer wieder von Gelson Fernandes und Gökhan Inler eingeengt wurden. Der Kapitän hatte seine stärksten Szenen in der Balleroberung, im Spiel nach vorne ging dagegen wenig Überraschendes von ihm aus.

Und dann schlägt Gomez zu

Am Schauplatz des EM-Eröffnungsspiels am 7. Juni erwischte die deutsche Mannschaft den besseren Start, doch die schwungvolle Anfangsphase mit guten Szenen für Bastian Schweinsteiger (2.), Klose
(3.) und Ballack (9.) verpuffte ohne Torerfolg. Gerade als die Eidgenossen allmählich die Kontrolle über die Partie zu gewinnen begannen, nutzte Klose einen Fehler von Benaglio zur Führung. Als der
Wolfsburger Keeper eine scharfe Hereingabe von Gomez nur abklatschen konnte, staubte der Bayern-Torjäger ab. Der Treffer wirkte sich belebend auf das deutsche Spiel aus. Vier Minuten später verhinderte Benaglio beim strammen 16 Meter-Schuss von Thomas Hitzlsperger das drohende 0:2. Auch gegen den von Gomez freigespielten Ballack reagierte der 24-jährige Schlussmann mit Fußabwehr glänzend (39.).

Sieben Minuten nach Wiederbeginn hätte Gomez bereits alles klar machen können für die Löw-Schützlinge. Nach energischem Antritt und klugem Zuspiel von Philipp Lahm zielte der von Stephan Lichtsteiner noch bedrängte Stuttgarter allerdings knapp daneben. Neun Minuten später machte es Gomez besser, nachdem sich Fritz zuvor im Zweikampf gegen den starken Tranquillo Barnetta durchgesetzt hatte. Das zweite Tor löste endgültig alle Fesseln. Gegen den für Klose eingewechselten Podolski verhinderte Benaglio (63.) mit prächtiger Reaktion weiteren Flurschaden, doch als Gomez wiederum frei vor ihm auftauchte, war der Wolfsburger machtlos und die Partie entschieden. Mit seinem 25. Länderspiel-Tor rundete Podolski den gelungenen Abend ab.

Bis zum Turnierbeginn für die deutsche Elf am 8. Juni in Klagenfurt gegen Polen gibt es noch zwei weitere Gelegenheiten zum Einspielen: Am 27. Mai gegen Weißrussland und vier Tage später gegen Serbien. (sp/dpa)