Schweiz - Portugal 2:0 : Stimmung zum Abschied

Die Schweizer gewinnen zumindest noch ein Spiel bei ihrere eigenen EM und werden dafür von den Fans gefeiert. Für sie ist das Turnier beendet. Portugal spielt am Donnerstag im Viertelfinale - gegen Deutschland?

Oliver Trust[Basel]
EURO 2008 - Schweiz - Portugal
Habe die Ehre! Der Schweizer Trainer Jakob Kuhn geht in den Ruhestand.Foto: dpa

Ja, tatsächlich: La Ola lief durch den St. Jakob-Park, „Köbi-Köbi“- Chöre folgten ihr. Animiert von Einpeitschern ließen sich am letzten Spieltag der Gruppe A selbst die bisher so reservierten Schweizer zu Emotionen hinreißen. Das Spiel gegen Portugal gab aber auch genügend Anlass zu Gefühlsregungen, schließlich galt es gleich zweimal Adieu zu sagen: nicht nur zur Mannschaft der Gastgeber, die sich von dieser EM verabschiedete, sondern auch zum Trainer Jakob „Köbi“ Kuhn, der sich nun in den Ruhestand begibt. Und schließlich gab es sogar noch etwas zu feiern: Das 2:0 (0:0) gegen Portugals Zweitteam trieb die Stimmung beim Schweizer Leichenschmaus sogar bis kurz vor die Grenze der Ausgelassenheit. „Wir haben dreimal super gespielt und dem Publikum etwas gezeigt. Wir wollten offensiv spielen, heute ist es uns gelungen. Es war ein würdiger Abschluss“, sagte
Stürmer Hakan Yakin, der ein starkes Spiel machte und beide Tore erzielte. „Die ersten zwei Spiele haben wir ein wenig Pech gehabt. Es ist schade, dass wir ausgeschieden sind, denn Tschechien und die Türkei waren keine Übermannschaften.“

Die Gegner hatte allerdings seinen Teil zur Schweizer EM-Party mit Verzögerung beigetragen. Die Portugiesen, die schon vor dem Spiel als Gruppensieger feststanden, gönnten ihren Stars wie Cristiano Ronaldo und Deco eine Pause und boten eine auf acht Positionen veränderte Elf auf. Die Stars wurden geschont für das Viertelfinale am Donnerstag. Der Gegner wären die Deutschen, wenn das Team von Bundestrainer Joachim Löw heute Abend gegen Österreich nicht verliert.

Trotz fehlender Stars hatte Portugal vor 39 730 Zuschauern die ersten Chancen: Pepe traf in der 18. Minute nach einem Freistoß die Latte. Auf Seiten der Schweizer prüfte Gökhan Inler mit einem Fernschuss Portugals Ricardo (23.). Im Gegenzug musste Philippe Senderos vor dem Portugiesen Helder Postiga in letzter Sekunde retten.

Auch nach dem Wechsel ging das muntere Angriffsspiel weiter. Dabei hatte der quirlige Nani die bis dahin beste Möglichkeit des ganzen Spiels. Der 21-Jährige lief allein auf den Schweizer Keeper Pascal Zuberbühler zu, traf aber nur den Pfosten. In der 71. Minute fiel schließlich das erste Tor: Yakin traf nach schöner Kombination mit Patrick Müller und Eren Derdiyok. 12 Minuten später verwandelte er einen umstrittenen Foulelfmeter, den Fernando Meira an Tranquillo Barnetta verschuldet haben soll.
Doch nicht Yakin, sondern Trainer Kuhn war am Ende der gefeierte Held. Mit seinem 73. Spiel und nach seinen sieben Jahren als Nationaltrainer übergibt der 64-Jährige die Schweizer Nati an Ottmar Hitzfeld. Vielleicht kann der ehemalige Bayern-Coach die Schweizer beim nächsten Turnier ja gleich von Beginn an zur Euphorie verleiten: mit Siegen in Südafrika.