Der Tagesspiegel : Schwere Zusammenstöße gehören zum Spiel

Europacup im Rollstuhl-Rugby an diesem Wochenende

Anne Seith

Lindow. Es rummst, als die beiden Rollstühle mit voller Wucht aufeinander prallen, aber Michael Ornig schafft es trotz der Erschütterung, den Ball nach vorn ans andere Ende des Spielfelds zu werfen. Mit einem blitzartigen Griff ans linke Rad schnellt Ian Prescott, der in dem anderen Rollstuhl sitzt, herum, prescht dem Ball hinterher.

„Die Österreicher haben ja keine Chance“, sagt eine Zuschauerin und nickt in Richtung des österreichischen Torbereiches, als der Engländer gleich darauf mit dem Ball auf dem Schoß über die Linie rollt und so den nächsten Punkt holt. 20 zu 12 steht es jetzt. Die „London Barbarians“ gelten nicht umsonst als Favoriten beim Kampf um den Europa-Cup im Rollstuhl-Rugby, der an diesem Wochenende im Sport- und Bildungszentrum in Lindow bei Neuruppin ausgetragen wird. Neun Mannschaften aus acht europäischen Ländern nehmen an dem Turnier teil.

„Ich habe ihn“, ruft ein breitschultriger Londoner immer wieder, während er durch geschicktes Drehen und Rollen seinen Gegner am Weiterfahren hindert. Gleichzeitig kämpft sich einer seiner Mannschaftskollegen mit dem weißen Volleyball, der anstelle eines Rugby-Eis verwendet wird, zum Torbereich des Gegeners durch. Immer wieder gerät er ins Schlingern, weil ihm ein Gegenspieler in die Seite knallt. „Mit den Rollstühlen darf man fast alles machen“, sagt Heiko Striehl, Teammanager der deutschen Nationalmannschaft und Veranstalter des Turniers. „Rammen, blocken, direkt drauffahren...“ Das sieht gefährlich aus. „Aber Verletzungen sind selten“, sagt Striehl. Direkter Körperkontakt ist verboten, und die Rollstühle sind stabil: Die schräg stehenden Räder geben Halt, am Fuß des Gefährts umgibt eine breite Eisenstange den Rollstuhl wie eine Stoßstange, und die Körper der Spieler werden festgeschnallt.

„Gefährlich ist höchstens der eigene Rollstuhl“, sagt auch einer der Spieler nach dem Turnier. Das eigentlich Interessante sei die Taktik. Nur wenn die vier Spieler einer Mannschaft perfekt zusammenwirken, kann einer schließlich mit dem Ball über die Torlinie rollen.

Das Vorrundenspiel geht aus wie von den meisten Experten erwartet: 43 zu 21 für die London Barbarians. Die Österreicher nehmen’s gelassen: „Zum Üben war es sehr gut“, sagt Spieler Gottfried Karrer. Denn am nächsten Tag soll man gegen die Schweden rollen. „Und die wollen wir auf jeden Fall besiegen.“

Weitere Spiele heute von 9 bis 18 Uhr, Sonntag von 8 bis 16 Uhr (Finalspiel 14 Uhr) im Sport- und Bildungszentrum in Lindow, Granseer Straße 10, Eintritt frei.

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