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Schwerer Busunfall nahe Berlin : Und dann weinten auch die Helfer

Verletzte irren umher, Feuerwehrkräfte weinen. Und Ärzte retten in Sanitätszelten Leben: Auf der Autobahn am Schönefelder Kreuz nahe Berlin sterben bei einem schweren Busunfall dreizehn Menschen.

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Rettungskräfte inspizieren am Sonntag den stark beschädigten Bus. Während der Rettungsarbeiten war auch ein Seelsorger vor Ort und leistete Opfern und Helfern seelischen Beistand.
Rettungskräfte inspizieren am Sonntag den stark beschädigten Bus. Während der Rettungsarbeiten war auch ein Seelsorger vor Ort und...Foto: dpa

Und dann weinten auch die Helfer. Mitten im Gespräch über den schweren Busunfall am Schönefelder Kreuz wird der Notfallseelsorger Klaus Scholz von der Feuerwehr hinter die Leitplanken gerufen. Dort sitzen mehrere Kameraden am Rande der Autobahn und verstecken ihr Gesicht hinter den Händen oder Schutzhelmen. Der Anblick der Toten im polnischen Reisebus hat sie aus dem Gleichgewicht geworfen. Denn der Aufprall der Fahrerseite an mehrere der sechs Brückenpfeiler hat den an den Fenstern sitzenden Insassen keine Überlebenschance gelassen. Die Feuerwehrleute mussten Körperteile einander zuordnen, um eine spätere Identifizierung der dreizehn Toten überhaupt erst zu ermöglichen.

Klaus Scholz kommt erst nach einer ganzen Weile hinter den in einer langen Reihe stehenden Feuerwehrautos zurück. „Manchmal genügt ein einfaches Handauflegen oder ein tröstendes Wort“, erzählt der seit vielen Jahren als Notfallseelsorger im Auftrag des Landkreises Dahme-Spreewald arbeitende Mann. „Das habe ich genauso bei den polnischen Verletzten gemacht.“ Der Anblick des Unfallortes war „einfach nur schrecklich. Auf der Autobahn lagen drei Tote, die zusammen mit Dutzenden Gepäckstücken und Koffern aus dem Bus geschleudert worden waren“, erzählt er. „Mittendrin liefen stark traumatisierte Personen, die nach ihren Angehörigen Ausschau hielten oder einfach nur völlig die Nerven verloren hatten.“ Da habe es keine Rolle gespielt, dass er der polnischen Sprache nicht mächtig sei. „Tröstende Gesten sind in allen Ländern gleich.“

Busunfall am Schönefelder Kreuz
Tragödie auf dem Berliner Ring. 14 Menschen kamen bei dem schweren Busunfall am 26. September 2010 ums Leben. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: picture alliance / dpa
27.09.2010 11:17Tragödie auf dem Berliner Ring. 14 Menschen kamen bei dem schweren Busunfall am 26. September 2010 ums Leben. Foto: dpa

Schon eine halbe Stunde nach dem Unfall hat sich der Ort in ein Sanitätslager verwandelt. In drei warmen Zelten kämpfen Ärzte in Notoperationen um das Leben von Verletzten. Im Fünf-Minuten-Takt starten Rettungshubschrauber in die umliegenden Krankenhäuser.

Direkt gegenüber der Notarztzelte steht der stark verbeulte Mercedes der C-Klasse. Deren 37-jährige Fahrerin hat womöglich durch ihr zu schnelles Auffahren vom Autobahnzubringer Schönefeld auf den südlichen Berliner Ring den Bus zu dem verhängnisvollen Ausweichmanöver gezwungen, das so tragisch endete. Die Berlinerin liegt ebenso wie ihr Beifahrer, der auch als Halter des Fahrzeuges registriert ist, mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Die Polizei sucht nun dringend nach Zeugen des Unfalls.

Innerlich ganz ruhig koordiniert der Einsatzleiter der Feuerwehr, Marko Behrens, die Arbeit seiner mehr als 150 Männer aus Berlin und Brandenburg. Dazu kommt noch einmal die doppelte Anzahl an Polizisten, Notärzten und Sanitätshelfern. „Solche Anblicke vergisst man nicht“, erzählt der 35-Jährige, der kurz nach halb elf am Unglücksort eingetroffen war. „Die meisten Schwerverletzten mussten wir über die offenen Fenster bergen, weil sich die hintere Tür nicht öffnen ließ. Erst im zweiten Schritt wurde diese aufgeschnitten.“ Dann stockt auch ihm der Atem.

Behrens muss dann doch eine schwere Entscheidung treffen. Im Bus befinden sich noch sieben Leichen, die herausgeholt werden müssen. Die ausgewählten Einsatzkräfte laufen über Glasscherben und herausgerissene Plastikteile sowie an der Beschriftung des aus Stettin stammenden Busses vor. Darauf klebt der schiefe Turm von Pisa neben dem Brandenburger Tor und dem Kolosseum von Rom. Doch die Urlaubsfahrt der 45 Insassen und der beiden Fahrer aus Spanien endete in einer Tragödie am Schönefelder Kreuz.

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