Schwerindustrie : Widerstand gegen Stahl-Dumping aus China

In die Auseinandersetzung um Dumping-Preise für Stahl aus China wollen sich neben anderen europäischen Herstellern auch die beiden führenden deutschen Stahlunternehmen ThyssenKrupp und Salzgitter einschalten.

Stahlindustrie
In der Stahlindustrie wird der Wettbewerb immer heißer. -Foto: dpa

Berlin"Wir haben ein strukturelles Problem in China. Das kann nur die Politik lösen", sagte ThyssenKrupp-Konzernchef Ekkehard Schulz vor der 41. Weltstahlkonferenz, zu der am Montag und Dienstag mehr als 250 Spitzenmanager der Branche in Berlin erwartet werden. Salzgitter-Chef Wolfgang Leese hatte bereits am Vorabend angekündigt, dass auch sein Unternehmen eine entsprechende Beschwerde des europäischen Stahlverbands Eurofer gegen China bei der EU unterstützen werde.

Probleme bereitet dem größten deutschen Stahlkonzern ThyssenKrupp dabei vor allem die Konkurrenz in dem für das Unternehmen wichtigen Geschäft mit hochwertigen rostfreien Stählen. "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die hohen asiatischen Importe mit teils wettbewerbsverzerrenden Preisen den europäischen Rostfrei-Produzenten schaden", sagte der für den Bereich Edelstahl zuständige ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Fechter. Allein in diesem Bereich sei seit Ende vergangenen Jahres ein starker Anstieg der Importe vor allem aus China nach Europa zu beobachten gewesen. So hätten sich die Einfuhrmengen von 10.000 Tonnen pro Monat auf über 50.000 Tonnen mehr als verfünffacht.

Überkapazitäten in China

Hintergrund der Entwicklung sei der anhaltende Aufbau neuer Stahlerzeugungskapazitäten in China, während gleichzeitig alte Anlagen nicht wie von der Zentralregierung angekündigt aus dem Markt genommen worden seien, sagte ThyssenKrupp-Stahlchef Karl-Ulrich Köhler. "Die Stahlpreise in China sind wegen der mittlerweile bestehenden Überkapazitäten drastisch zurückgegangen. Die Exporteure suchen nun nach Regionen mit noch höheren Stahlpreisen", sagte er.

Auch technologisch zur weltweiten Spitzengruppe zählende Unternehmen wie ThyssenKrupp seien vor diesem Hintergrund nicht mehr dauerhaft vor der chinesischen Konkurrenz sicher, sagte Schulz. "Die Chinesen lernen relativ schnell", meinte der Konzernchef. Auch wenn die Konkurrenz aus Asien heute in einigen oberen Qualitätssegmenten beim Stahl noch nicht mithalten könne, könne sich das Bild schon in den nächsten Jahren ändern.

Die beiden größten deutschen Stahlhersteller zeigten sich optimistisch in Hinblick auf die Erfolgschancen einer Beschwerde in Brüssel. Mit der Einleitung von Maßnahmen wie etwa Schutzzöllen oder Mengenbeschränkungen könne möglicherweise bereits im kommenden Jahr gerechnet werden. (mit dpa)