Der Tagesspiegel : Schwitzen für den Klimaschutz

Hitzige Debatten bei „McPlanet.com“: 1500 Umweltbewegte diskutieren über Erderwärmung und Globalisierung

Annette Kögel

„H3012“ hat sich Sina Waidelich auf den Handrücken geschrieben. Das ist keine Chiffre-Ziffer einer Kontaktanzeige, sondern die Nummer eines Raumes in der Technischen Universität. Dort diskutierte die 23-jährige Studentin der Südostasienwissenschaften aus Bonn am Samstagmittag mit anderen Naturschützern das Thema „Konflikte um biologische Vielfalt und die Möglichkeiten demokratischer Biodiversitätspolitik“. Einfacher formuliert, geht es bei dem Kongress „McPlanet.com 2007 – Klima der Gerechtigkeit“ in der TU noch bis heute um globale Zusammenhänge des Klimawandels.

Zum Kongress mit 100 Foren und Workshops sowie Gästen aus Umweltbewegung, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft haben Attac, Bund, Greenpeace, Evangelischer Entwicklungsdienst und Heinrich-Böll-Stiftung geladen. Gekommen sind etwa 1500 Teilnehmer, „davon rund 80 Prozent unter 30 Jahren und nicht aus Berlin“, sagt Kongress-Sprecher Norbert Franck. Aus dem Ausland sind 150 Umweltaktivisten nach Berlin gereist.

Draußen im TU-Hof sind Kunstinstallationen gegen Landminen zu sehen, drinnen schwitzen Naturfreaks in gut gefüllten und ziemlich aufgeheizten Räumen. Voll war auch der Workshop „Meere als Opfer des Klimawandels“. Riffe würden zerstört, 60 Prozent aller Fischfangregionen seien überfischt, jedes Jahr fielen bis zu 27 Millionen Tonnen Beifang an – Meerestiere, die sich in den Netzen verfangen und sterben, ohne konsumiert zu werden. Um den Lebensraum Meer gesund zu halten und die Folgen der Erderwärmung nicht zu potenzieren, müssten 40 Prozent der Weltmeere zu Schutzregionen erklärt werden, fordert die Greenpeace-Referentin. Viele Hörer nicken und nehmen einen Schluck von ihrer Bionade-Limo.

Ein paar Schritte weiter präsentieren sich auf dem „Basar der Alternativen“ im Audimax-Foyer und im ersten Stock Initiativen von „Lobby Control“ über Anbieter von „fairem Tourismus“ und Ökostrom bis hin zu den Jungpolitikern der Grünen Jugend. An deren Tisch legte die Grünen-Chefin Claudia Roth beim Kongressbummel gestern eine Pause ein – und schrieb schnell einen „Liebesbrief ans Klima“. Für die schönsten Zeilen kann man nämlich auch heute noch am Stand ein T-Shirt gewinnen, mit der Aufschrift: „Mc Love Not Klimawandel“.

Hier Klimaschutz mit Unterhaltungseffekt, dort heftige politische Debatten. Natürlich auch in Raum H3012, wo Sina Waidelich mitdiskutierte, etwa über Gefahren durch genmanipuliertes Saatgut, das so gezüchtet sei, dass es nur eine Saison aufgehe, damit die Hersteller mehrfach verdienen. Die Studentin kritisierte „die veralteten Industriebetriebe in Südostasien, die die Industrieländer oft über die Weltbank mitfinanziert haben oder über Tochterfirmen in den Ländern selbst betreiben“. Und: „Ich finde es fies, den Klimaschutz jetzt allein auf den Durchschnittsbürger abzuwälzen, während die Industrie beispielsweise bei der Lebensmittelherstellung immer noch ungemein viel Treibhausgase ausstößt.“ (Seite 24)

Kongress „McPlanet.com 2007“, heute 9–13.30 Uhr, TU, Straße des 17. Juni 135; danach Demozug ins Regierungsviertel. Teilnahme 10 Euro, Infobasar gratis.

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