Segeln : "Silberkanne" bleibt in Europa

Alinghi hat den vor vier Jahren errungenen America's Cup erfolgreich verteidigt. Die Schweizer Truppe gewann das siebte Matchrace gegen das Team New Zealand hauchdünn und die Finalserie mit 5:2.

Alinghi
Knapp in Führung: Alinghi (links) hängt New Zealand ab. -Foto: AFP

ValenciaDer dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann hat mit der Schweizer Yacht Alinghi den America's Cup verteidigt. Als die schwarz-rote SUI 100 im packenden Fotofinish die Ziellinie eine einzige Sekunde vor Herausforderer Team New Zealand überquerte, entlud sich die seit Tagen kaum mehr erträgliche Spannung rund um den Hafen von Valencia mit gewaltigen Jubelschreien an Bord und an Land. Unter Feuerwerk und Champagnerfontänen freuten sich zehntausende Segel-Fans mit den Eidgenossen und deren deutschem Sportdirektor - im Lager der rund 3000 mitgereisten Neuseeländer flossen Tränen.

"Es ist fantastisch, dass der Cup nun in Europa bleibt", jubelte Alinghis Sportdirektor Schümann, der vor vier Jahren die berühmte Silberkanne nach Europa zurückgeholt hatte. Der 53 Jahre alte dreimalige Olympiasieger hatte zwar seinen Traum von der Position als Steuermann im Verlauf der zweiten Alinghi-Kampagne aufgeben müssen, doch im Hintergrund maßgeblich zum Erfolg der Mannschaft beigetragen. "Ich habe viel für das große Ziel gegeben. Das war und ist meine Rolle. Da muss man auch am eigenen Ego feilen. Doch wenn das Team am Ende gewinnt, stimmt alles."

Vom imaginären Spielfreund zur Segel-Erfolgsstory

Das siebte Duell der Giganten machte seinem Namen alle Ehre. Nachdem die NZL 92 mit leichten Vorteilen gestartet war, erreichte die SUI 100 in frischen Winden um 16 Knoten die erste Wendemarke mit sieben Sekunden Vorsprung. Doch Team New Zealands Skipper Dean Barker und seine Crew schlugen zurück und erreichten die zweite Wendemarke 14 Sekunden vor den Schweizern. Im anschließenden Kopf-an-Kopf-Rennen kam es vor Rundung der dritten Marke beinahe zur Kollision. Alinghi musste ausweichen. Neuseeland wurde von den Schiedsrichtern für die Verletzung der Vorfahrtsregeln mit der rennentscheidenden Strafe belegt.

Das Team Alinghi kann ausgerechnet im "verflixten siebten Jahr" seiner Erfolgsstory ein weiteres Kapitel mit einem Triumph beenden. Die mit sechs erfahrenen Neuseeländern besetzte multinationale Crew des Genfer Milliardärs Ernesto Bertarelli hat sich gegen das durchschnittlich vier Jahre jüngere Team New Zealand durchgesetzt. Damit bleibt der Name Alinghi weiter das Symbol für Höchstleistung im Segelsport. Als Kinder hatten Bertarelli und seine Schwester Donna zunächst ihren imaginären Spielfreund Alinghi genannt. Später wurden alle Familienboote so getauft.

Kein Produkt Schweizer Segelkunst

Ein Produkt Schweizer Segelkunst ist Alinghis zweiter Erfolg hintereinander auch dieses Mal nicht. Team-Gründer Bertarelli war in allen sieben Begegnungen mit Team New Zealand unter 17 Mann Besatzung der einzige Schweizer an Bord. Das Duell der Cup-Giganten markierte eher die Fortsetzung der Auseinandersetzung zwischen Neuseelands Segelhelden wie Skipper Brad Butterworth oder Stratege Murray Jones an Bord der "Alinghi" und der jungen "Kiwi"-Generation um Team New Zealands 34 Jahre jungen Skipper Dean Barker.

Als Land mit Spitzentechnik konnte die Schweiz im America's Cup jedoch punkten: Auch dieses Mal waren die Ingenieure der EPFL in Lausanne maßgeblich in Forschung, Tests und Entwicklung der jeweils rund vier Millionen Euro teuren Cup-Yachten unter Schweizer Flagge involviert. Gebaut wurde die SUI 100 genau wie ihre Vorgängerin SUI 64 in Präzisionsarbeit in Fenil-sur-Corsier oberhalb Verveys. Für die Linien der rasanten Hightech-Yacht zeichnete Chefdesigner Rolf Vrolijk verantwortlich.

Auf dem Weg zur 32. Cup-Auflage hat Bertarelli sein Versprechen wahr gemacht, das er vor vier Jahren gab: "Wir werden die alte Silberkanne entstauben und die Veranstaltung modernisieren." In seine Ära fällt die Streichung der Nationenregel, die erstmalige Rechtevergabe an eine Stadt außerhalb des Landes der Titelverteidiger, die dem Cup vorgeschalteten Testregatten in ganz Europa und der Bau der weltgrößten rund 300 Millionen Euro teuren Segelarena in Valencia. (mit dpa)